Mittwoch, 16. Juni 2010

Gamestudy for teh win

Du bist/warst auch Computerspieler und könntest den Medien vor lauter Killerspiel- und Frontal21 Diskussion manchmal in die Fresse hauen? 

Wie wäre es zur Aufklärung der WAHREN Gamer-Natur beizutragen! 

Beate Braun, angehende Psychologin, kommt in ihrer Diplomarbeit genau dieser auf die Schliche. 

Und dafür braucht sie massiven Input! Sie hat einen Fragebogen zusammengestellt, der von möglichst vielen Computerspielern (und auch Nicht-Computerspielern!) ausgefüllt werden soll. Die Ergebnisse tragen zu einer Charakterstudie über Gamer bei.

Von all den tausend lieblosen Fragebögen, die durch das Internet geistern und verzweifelt auf ein Opfer warten, hebt sich dieser Bogen absolut positiv ab. Man merkt sofort, dass hier selbst eine begeisterte Gamerin die Feder geschwungen hat und ernsthaft - nicht nur wegen irgendeiner Uni-Note - am Wesen von uns Zockern interessiert ist. Ich finde Beates Ambition absolut unterstützenswert!

Aber ich muss ehrlich sein.

Der Bogen ist stramm, er wird dich etwa 30 Minuten kosten. Weil ich aber an den Sinn dieser Studie glaube und Beate wirklich JEDEN EINZELNEN braucht, habe ich mich entschlossen, dir einen zusätzlichen Anreiz zum Ausfüllen zu geben: 

---------------------------------------------------------------
Am Ende der Studie siehst du ein Bild von einem Computerspiel, dessen Namen du mir einfach an gamestudie@danielpschenk.com schickst. 
---------------------------------------------------------------

Dadurch nimmst du automatisch an einem Gewinnspiel teil, in dem ich 4 Mega-Pakete verlose: Bestehend aus einem A GAMER'S DAY Poster, einem THE CHEAT REPORT Schlüsselanhänger, einer UPPERCLASS DVD und einem Buchexemplar VAULT. Handsigniert!

Ich muss verrückt sein, soviel Stuff kostenlos rauszuhauen! 

Aber ich finde die Gamestudie klasse und möchte mich bei dir für deine Zeit erkenntlich zeigen. 

Sagte ich schon, dass du AUSSERDEM an einem Gewinnspiel für vier 50 Euro Amazon.de Gutscheine teilnimmst?? Damit habe ich nichts zutun. Die Psychologen lassen sich nicht lumpen! 

Du nimmst also an 2 Gewinnspielen gleichzeitig Teil & tust der Wissenschaft noch einen riesigen Gefallen. Schau einfach rein und ehe du dich versiehst, ist das Ding durch! 


Ich freue mich auf deine E-Mail an gamestudie@danielpschenk.com! Bis gleich.

P.S.: Du tust mir auch persönlich einen Gefallen. Ich wollte das aus dem Spiel lassen... aber seitdem mir Beate, die gleichzeitig meine Freundin ist, Sanktionen im Falle einer zu niedrigen Klickrate angedroht hat, bin ich verzweifelt und zu allem fähig!! Die Studie ist wirklich super, so ist das nicht. Aber mit einer Knarre am Kopf läuft es doch immer noch am besten. So please, just do it: http://bit.ly/gamestudie

Mein neuer Film UNNATURAL

Es ist jetzt schon ein paar Wochen her, dass ich mein erstes offizielles Statement zu meinem neuen Film gepostet habe. Und da ich meinen Blog zuweilen (leider!) etwas stiefmütterlich behandle, dachte ich mir, besser spät als nie auch an dieser Stelle noch einmal darauf hinzuweisen. Wer weiß, vielleicht bist du einer der drei regelmäßigen Besucher, die nur meinen Blog UND NUR MEINEN Blog besuchen und hast noch überhaupt nichts von dem neuen Film mitbekommen. Für diesen unwahrscheinlichen Fall also hier noch einmal der Link, hinter dem sich alles weitere verbirgt:

www.unnatural-movie.com

Und vergiss nicht, dich im offiziellen Newsletter einzutragen! Das Feedback der Abonnenten ist bisher durchweg positiv.

Montag, 17. Mai 2010

Die Unglaubliche Bobby Wayne Story in 800 Worten

DIE KURZFASSUNG

Für alle Leser, die sich von sieben ganzen Blogposts abgeschreckt fühlen, die Story aber trotzdem verstehen möchten: Bobby Wayne in 800 Worten.

-----------------

Eines Tages meldete sich eine fremde Person in meinem Facebook Profil. Sie lud mich ans Filmset des neuen Uwe Boll Films in Kroatien ein.

Diese Person war Bobby Wayne (Name geändert).

Ich wurde neugierig und in der folgenden Korrespondenz erfuhr ich, dass Bobby ein junger Unternehmer und Vertrauter Uwe Bolls war. Er mochte meine Filme und fand die Idee toll, mich mit Uwe Boll zu vernetzen.

Zumindest verstand ich das so. Zwar war ich kein ausgesprochener Boll Fan, aber die Möglichkeit, einen internationalen Filmproduzenten kennenzulernen, reizte mich schon.

Ich sagte zu.

Das Gipfeltreffen solle im folgenden Monat steigen. Ich nutzte die Zeit, um Bobby Wayne näher zu kommen. Irgendetwas faszinierte mich; er schien ein Erfolgsmensch mit machtvollen Kontakten zu sein, der sich zugleich Zeit herausnahm für einen Nachwuchsregisseur. Ein toller Mix.

Und tatsächlich entwickelte sich der Kontakt vielversprechend weiter, im wörtlichen Sinne.

Zuerst versprach er mir zwei Berlinale Tickets, dann eine TESLA Grafikkarte zur Aufstockung meiner Workstation.

Als wir tiefer ins Thema stiegen, ließ er sogar eine RED Scarlet Kamera vom Stapel laufen! Diese High-Tech-Kamera war noch gar nicht auf dem Markt, dank Bobbys Kontakte aber als Vorlaufmodell nach Berlin unterwegs.

Gleichzeitig erzählte er mir von seinem eigenen Mega-Projekt: Eine Bankrott gegangene Flugzeugfirma, bei der er einst angestellt war, mittels eines 150-Millionen-Dollar-Joint-Venture-Kredits wieder ins Leben zu holen. Ich war mächtig beeindruckt, und womöglich lag da auch der Sinn.

Zwei Jahre zuvor hatte Bobby außerdem ein Laufprojekt initiiert - 10.000 km nach China wandern, um rechtzeitig zur Weltausstellung anzukommen. Dieser "Asia-Walk" hatte beachtliche PR bekommen, mit dem einzigen Haken, dass er nie startete: Bobby stieg zwei Tage vorm Startschuss aus.

Trotzdem hielt ich große Stücke auf ihn.

Den Gipfel stürmte Bobby dann, als er mir einen Imagefilm-Auftrag in Aussicht stellte. Für sein baldiges Flugzeugunternehmen. Geschätztes Budget: Eine Million Dollar.

Hui.

Der Grund, warum ich all diese Sachen ernst nahm, obwohl vieles unglaublich klang, war damals derselbe wie heute: Es gab keinen ausdrücklichen Gegenbeweis. Obwohl ich immer skeptisch blieb und mittlerweile alles für ausgemachten Unfug halte, siegte die Ungewissheit.

Unser Kontakt ging so weit, dass wir uns persönlich in Köln trafen. Bobby hatte einen traumhaften Plan: Er wollte 10.000 Euro in meinen neuen Film investieren und in einem zweiten Schritt eine Limited gründen, mit der wir den Film gemeinsam auswerten (= zu Geld machen) würden. Ich war einverstanden. Der Vertrag sollte in Kroatien unterschrieben werden. Super!

Ich flog zum Datum nach Kroatien und war gespannt wie ein Flitzebogen. Ich sollte Uwe Boll kennenlernen und den Vertrag unterschreiben. Letzteres geschah noch am ersten Abend; soweit, so gut. Ein ungutes Gefühl blieb. Es verhärtete sich, als ich in den folgenden Tagen Uwe Boll NICHT kennenlernte. Bobby verpasste das Networking galant, ich stand schlussendlich wie ein dahergelaufener Passant am Rand des Sets.

Meine Laune sackte ab. Tags darauf wollte ich ihn mir zur Brust nehmen; ich wollte ihn eindringlich auffordern, bitte den Kontakt zum großen Chef herzustellen. Doch Bobby - oder das Schicksal - kam mir zuvor.

Ich erhielt von Bobby eine SMS, dass ein enges Familienmitglied soeben verstorben sei und er unverzüglich abreisen müsse. Ich blieb unverrichteter Dinge in Kroatien zurück. Am Ende hatte mir mein Ausflug ein paar bessere Making-Of-Eindrücke beschert.

Ich harkte daraufhin bei der RED Scarlet Kamera nach. Ihre Ankunft war längst überfällig. Nach einem ewigen Hin- und Her, in dem Bobby eine neue Person einführte - den mysteriösen Michael - endete das Hickhack in einer sagenhaften E-Mail, die wirklich lesenswert ist (Part #7). Michael sollte die Kamera von Berlin nach Köln verschicken, meldete sich aber niemals auf meine E-Mails und ließ es schlussendlich einfach bleiben. Seine Existenz ist wie vieles fragwürdig.

Ich wurde misstrauisch, das ganze Konstrukt aus Versprechungen schien zusammenzubrechen. Die Berlinale Tickets wurden niemals versendet, die TESLA Grafikkarte wanderte statt in meinen Briefkasten auf eBay, der 1-Million-Euro-Imagefilm hing von der Gewährung eines ungewissen 150-Millionen-Dollar-Kredits ab, die RED Scarlet Kamera hatte ich mir schon abgeschminkt. Obwohl sie in Berlin nur auf ihren Weiterversand wartete...

Blieb noch der unterschriebene Darlehensvertrag. Die Wochen bis Zahlungsfrist verstrichen, ohne dass Bobby zu seiner gewohnten Chat-Redseligkeit zurückkehrte. Auf meine Anfragen erhielt ich keine oder nur vertröstende Antworten. Ich wurde immer skeptischer und gab mir Mühe, formell korrekt zu bleiben, um Missverständnisse auszuschließen.

Bobby zog um. Vielleicht brauchte er einen Tapetenwechsel.
Auf Facebook änderte er seinen Namen. Vielleicht brauchte er... einen Buchstabenwechsel.

Die Deadline zum Darlehen kam und ging. Ich dachte, vielleicht ist Bobby wirklich so unglaublich beschäftigt mit seinen Multi-Millionen-Dollar-Deals, dass er mich übersehen hatte. Dann löschte er mich von seinen Facebook Freunden. Und ich wusste, dass er mich _nicht_ übersehen hatte.

Ich schrieb ihm eine letzte, ultimative E-Mail und forderte ihn zur Richtigstellung der Sachlage auf. Doch da war es längst zu spät. Bobby war schon lange aus meinem Leben entfleucht. Genauso schnell, wie er sich eingeschlichen hatte. Und anstatt einem Baby hinterließ er mir einen unterschriebenen Darlehensvertrag. Den ich natürlich nicht vergessen habe.

-----------------

Irgendwie unglaublich das Ganze, oder?

Da steh ich nun, ich armer Thor, Und binn so klug als wie zuvor. - Goethe


P.S.: Mehr Informationen zu dem besagten Filmprojekt und einen MUST-HAVE Newsletter findest du unter http://www.unnatural-movie.com. In dem Newsletter gehe ich auch nochmal speziell auf Bobby Waynes Verknüpfung ein.

Freitag, 14. Mai 2010

Die Unglaubliche Bobby Wayne Story #7

DAS ENDE VOM LIED

Ich mache es kurz und schmerzlos. Du weißt es eh schon.

Natürlich bekam ich von all den Dingen, die mir Bobby Wayne während unserer stürmischen Skype-Beziehung versprochen hatte, keine einzige.

Ich bekam keine RED Scarlet Kamera. Ich bekam keine Berlinale Tickets. Ich bekam keine TESLA Grafikkarte (die stellte er später lieber auf eBay). Ich bekam keinen Kontakt zu Uwe Boll. Ich bekam kein 10.000-Euro-Darlehen ausgezahlt. Ich bekam keinen 1-Million-Euro-Budget Imagefilm Auftrag. Ich bekam nicht mal eine Antwort auf meine E-Mail.

Wenn du nur das wissen wolltest, kannst du jetzt mit dem Lesen aufhören. Es gibt aber noch ein paar witzige Details in der Zeit nach Kroatien, die ich erzählen möchte. Hoffst du auf eine Auflösung der merkwürdigen Ereignisse, kannst du aber wiederum mit dem Lesen aufhören. Das Rätsel um Bobby Wayne bleibt ungelüftet.

Disclaimer
Achtung, dieser Post wird lang. Lies ihn nur, wenn du die letzten Details der Bobby Wayne Story erfahren möchtest!

Die erste Woche nach Kroatien hielt ich die Füße still. Immerhin war soeben ein enges Familienmitglied von Bobby Wayne verstorben. Dass mir das schwer fiel, verstehst du vielleicht. Immerhin lagerte die RED Scarlet Kamera in Berlin. Eine Next-Generation-Kamera nur 500km entfernt!

In dieser Zeit entwickelte ich mich zum Bobby-Wayne-Facebook-Stalker.

In den ersten zwei Tagen nach Bobbys tragischem Verlust waren ein paar gereizte Statements auf Facebook zu lesen; nichts Explizites. Muss nichts heißen. Dann beruhigte er sich sehr schnell. Und bald war er wieder in seinem Trott der Trivialitäten angekommen. Am liebsten erzählte er, wie er Game X oder Game Y soeben durchgespielt hatte. Auf meine Beileidsbekundung in seinem Profil erhielt ich keine Antwort. Auch hielt das kein EINZIGER seiner anderen Freunde für nötig. Muss nichts heißen.

Dass er seinen Skypekontakt in dieser Trauerwoche massiv einschränkte, verwunderte mich nicht weiter. Trauer eben.

Doch ab diesem Moment begann das langsame Absterben unserer Beziehung, oder besser: Das gezielte Erdrosseln.

Nach der Trauer-Woche nahm ich mir vor, mit Nachdruck an meine High-Tech-Kamera zu kommen. Darlehen und Imagefilm lagen ja noch beide Wochen bzw. Monate in der Zukunft.

Ich fragte Bobby im Skype-Chat nach dem Verbleib der Kamera. Er erklärte mir, dass sich ein Kollege um den Versand kümmern würde.

Ein paar Tage später meldete er sich wieder: Die Kamera sei aufgrund einer "unzureichenden Empfängeradresse" zurückgekommen. Hm. Irgendetwas musste sein Kollege falsch gemacht haben. Doch die Kamera ging nicht wieder auf ihre Reise.

Eine Woche später harkte ich nach, zielstrebig: Ich sagte zu Bobby, ich könne seinen engen Zeitplan verstehen. Immerhin sei seine Multi-Millionen-Dollar Firma auf dem Weg. Er solle mich einfach mit seinem Kollegen kurzschließen. Wir beide würde uns um den Versand kümmern.

Bobby sandte eine E-Mail an beide Adressen. Er sagte zu seinem Kollegen - oder Angestelltem? - Michael folgendes (Originalmail):

Michael setz Dich bitte mit Daniel in Verbindung wegen der Kamera. Er hat die bis heute noch nicht und ich hab im Moment keine Zeit und Nerven mich auch noch darum kümmern zu müssen.

Das klang schon gar nicht mehr so nett.

Aber ich gerissener Hund harkte sofort bei Michael nach:

Hi Michael,

der hat mir gesagt, du würdest das Kamerapaket von Berlin nach Köln verschicken. Super! Könntest das so timen, dass ich die Kamera bis spätestens Freitagmorgen habe? Dann fahre ich nämlich zum Drehort des Filmprojekts, für das wir die Kamera benutzen möchten und wir wollen direkt vor Ort die ersten Testaufnahmen machen.

Nochmal die Adresse:

[...]

Kannst du mir Bescheid geben, wenn das Baby auf dem Weg ist? Wenn es eine Tracking Nr. o.ä. gäbe, wäre das natürlich optimal. Letzes Mal gab es ja scheinbar ein Adressproblem.

Leider antwortete Michael nie. Beschäftigter Junge. Zwei Tage später setzte ich nach:

Hi Michael,

wenn es Probleme gibt, die dem Versand entgegen stehen, würde ich mich über eine ganz kurze Info freuen. Defacto ist morgen der letzte Tag, an dem eine rechtzeitige Ankunft für den Testshoot am Wochenende (Freitag) gewährleistet wäre. Vielleicht bist du ähnlich wie die letzten Tage zeitlich viel zu sehr eingespannt, um den Weiterversand bei UPS zu veranlassen. Das ist dann sehr schade, aber natürlich kein Beinbruch.

Es wäre nur toll, wenn ich ungefähr weiß, woran ich bin. Du musst wissen, ich warte schon sehr lange auf die Kamera und mein Aufenthalt in der Schweiz wäre der optimale Moment, um sie zum Einsatz zu bringen. Ich bin bis zu den Dreharbeiten im Sommer nur selten dort und muss aufgrund des sehr begrenzten Budgets die Vorbereitungen präzise timen. Je früher ich weiß, woran ich bei der Kamera bin, umso besser kann der Dreh geplant werden.

Da ich scheinbar nur wenige hundert Kilometer von der Kamera getrennt bin, fällt es mir sehr schwer, sie NICHT in meinen Zeitplan einzubeziehen. Ich hätte auch nicht gedacht, dass sich diese letzte Station über Wochen hinzieht.

Lange Rede, kurzer Sinn - ich bitte um ein kurzes Feedback, was machbar ist!


Viele Grüße und vielen Dank
Daniel

Irgendwie traf ich wohl nicht Michaels Nerv, denn auch hierauf antwortete er nie. Allerdings war ich eine Spur schlauer gewesen: Ich setzte Bobby Wayne in den CC.

Und obwohl ich mir davon eine Reaktion erhoffte, muss ich zugegeben, dass mich DIESE Reaktion massiv überraschte:

Bobby sandte nämlich eine E-Mail zu Michael zurück, wo er MICH in den CC setzte. Und was Bobby seinem Kollegen zu sagen hatte, gebe ich hier besser im Wortlaut wieder, sonst glaubt man es nicht:

Also Micha, Daniel hat seine Kamera immer noch nicht bekommen, sorg dafür das die spätestens Dienstag bei ihm in Köln ist und wenn Du sie ihm persönlich gibst, ist mir scheißegal. Zieh´n Finger ausm Arsch und fang an zu rotieren, is ja nicht das erste mal das was so nicht klappt wie es soll…. Also, kümmer Dich drum oder such Dir ein neues Betätigungsfeld.

Ich bin ab nächste Woche wieder kurz in Berlin.

@ Daniel

Ich hoff das das jetzt so klappt, manchmal muss man seine Handlanger mit der Keule bedrohen damit was passiert…..

oO

So guckte ich etwa.

oO

Bobby hatte sich mit dieser E-Mail ins Abseits katapultiert. Denn egal, wie man sie interpretierte: Sie sprach immer gegen seine Kompetenz. Entweder war Michael wirklich unfähig und Bobby ein Idiot, so einen Mitarbeiter zu beschäftigen... oder Bobby war ein richtig schlechter Menschenführer. Denn wer spricht so mit seinen Mitarbeitern und DEMÜTIGT SIE NOCH VOR AUSSENSTEHENDEN? Oder es traf beides zu.

Ich glaube, Bobby realisierte seine selbstgegrabene Grube nicht. Wobei er im Graben von riesigen Gruben ja Erfahrung hatte. (Anspielung auf einen früheren Post)

Diese Mail machte mich perplex. Aber Micha blieb cool. Er antwortete nie. Die Kamera wurde auch nicht mehr versendet.

Ab diesem Punkt war für mich klar, dass ich mir den ganzen Glitzer abschminken konnte. Ich wollte nur noch mein Darlehen ausgezahlt bekommen. Das Darlehen, was mir Bobby Wayne per Unterschrift zugesichert hatte.

Leider gestaltete sich die Kontaktaufnahme ab diesem Kamera-Zwischenfall als nahezu unmöglich. Auf meine Skypechats reagierte Bobby nur noch selten mit Einzeilern. Meine Mails mit konkreten Fragen (Wann kriege ich die RED? Wann wird das Darlehen ausgezahlt?) wurden ignoriert.

Also griff ich zu rabiaten Mitteln und postete auf seine Facebook Pinnwand. Wow, denkst du jetzt. Daniel du Internet-Freak. Aber genau das war Bobbys Achillesferse. Ich schrieb nur, ob er sich mal melden wolle wegen der Kamera und unseren Absprachen. Mehr nicht, ganz allgemein.

Aber der Post wurde umgehend gelöscht und ich bekam diese E-Mail zurück:
Wenn ich nicht antworte hab ich zu tun. Ich meld mich schon noch keine Sorge. Und was wir untereinander besprechen hat bei Facebook nichts zu suchen.

War ja auch nicht nett von mir. Aber was sollte ich machen? Auf diese gar nicht so nette E-Mail antwortete ich wie folgt:

Hi Bobby,

schön wieder was von dir zu hören! Da ich leider überhaupt keine Meldung von dir bekommen habe, habe ich auf Facebook vorbei geschaut, da du dort ja immer aktiv bist. Immerhin habe ich so nun ein Lebenszeichen von dir erhalten, auch wenn ich leider immer noch nichts weiß. Ich schätze einmal, die Sachen zwischen uns haben bei deinen derzeitigen Unternehmungen keine Priorität, das verstehe ich durchaus. Nur musst du auch verstehen, dass sie bei mir oberste Priorität genießen und meine Sorgen bei anhaltender Kommunikationspause wachsen. Sie sind aber schnell zu zerstreuen, ein paar Minuten Gespräch, ein paar Absprachen, schon ist es alles easy. Da wir ja auch schon alles lange im Vorfeld besprochen haben, dürfte es da auch keinen großen Planungs- und Problemlösungsaufwand geben.


Dann warte ich mal auf deine Rückmeldung und grüße dich,
Daniel

Nur kam diese Rückmeldung nie. Defacto war dies das letzte Mal, dass ich von Bobby Wayne hörte.

Das wusste ich natürlich nicht. Dass sich Bobby seither nicht mehr gemeldet hatte, konnte an vielem liegen. Sagte ich mir. Ich wollte fair bleiben, auch wenn ich überkochte. Wie dumm wäre es gewesen, ihn zu vergraulen und später festzustellen, dass er einfach nur fürchterlich (fürchterlich) beschäftigt war?

Die Tatsache, dass Bobby auf Facebook plötzlich seinen Namen änderte, machte mich zwar skeptisch... aber nicht viel skeptischer als die Tatsache, dass er innerhalb Berlins umzog. Vielleicht brauchte er einen Tapetenwechsel. Und einen... äh... Buchstabenwechsel.

Aber dann, drei Tage nach Ablauf der Zahlfrist, bemerkte mein Freund Matthew etwas sehr seltsames:

"Hey Daniel, kann es sein, dass uns Bobby Wayne von seiner Freundesliste auf Facebook gelöscht hat?"

oO

Tatsächlich hatte mich Bobby gezielt entfernt, und zwei meiner Freunde. Das hatte mit Überbeschäftigung nichts mehr zu tun. Scheinbar bereitete es ihm Sorgen, dass ich jederzeit auf seine Pinnwand schreiben konnte.

Ich holte zu meiner ultimativen E-Mail aus (schreibt sie euch ab, wenn ihr selbst Leute wie Bobby kennt):

Hallo Bobby.

Du hast dich seit deiner letzten E-Mail vom xx.xx.2010, in der du mich deinem Tonfall nach zu urteilen mit jemandem verwechselt hast, nicht mehr gemeldet. Meine Sorge war also durchaus berechtigt.

Die gemeinsam von uns vereinbarte Frist zur Auszahlung eines zinslosen Darlehens zur Herstellung des Filmprojekts "xxx" für deine Co-Producer Nennung ist am xx.xx. ausgelaufen, wie du sehr gut weißt. Eine Zahlung hat niemals stattgefunden. Damit bist du wort- und vertragsbrüchig geworden. Du hast schon eine Woche zuvor nicht mehr auf meine Skype Anrufe und -Nachrichten reagiert, ebenso wenig wie auf meine E-Mails. Auf Facebook hast du zuerst deinen Namen geändert und mich heute komplett und kommentarlos aus deiner Freundesliste gelöscht. Gleiches scheint für Skype zu gelten. Damit hast du meine Geduld und mein Verständnis über die Maßen strapaziert. Ich bin auf Berufung des Vertrags bereits finanzielle Verpflichtungen eingegangen, von denen ich nicht mehr zurücktreten kann.

Die von dir seit vielen Wochen versprochene Kamera, die RED Scarlet, hat bis heute nicht ihren Weg zu mir gefunden, obwohl sie angeblich schon versandfertig in Berlin lagert. Weder du, noch dein spezieller Freund Michael (für die Auslieferung verantwortlich) haben sich seither zum Stand geäußert. Natürlich kommt bei der RED Scarlet erschwerend hinzu, dass sie noch überhaupt nicht auf dem Markt ist und auch Beta-Modelle wie die, die von deinem Kontakt geordert wurden, noch gar nicht von RED versendet werden.

Sehr gerne möchte ich annehmen, dass es sich bei all diesen Sachen nur um ein grobes Missverständnis handelt. Ich habe mich schon auf unsere Zusammenarbeit gefreut und großes Potential erkannt. Daher gebe ich dir bis morgen Gelegenheit, die Fakten richtig zu stellen. Vielleicht existieren auch Hindernisse wie bspw. Zahlungsengpässe etc., die dich von der Vertragserfüllung abgehalten haben, die du aber nicht kommunizieren wolltest. Wenn du bis morgen ein umfassendes Statement zu den hier genannten Sachverhalten abgibst, freue ich mich darauf, die Situation ggbf. neuzubewerten. Ansonsten muss ich davon ausgehen, dass meine Vermutungen korrekt waren.

Ich muss dich höflich und eindringlich auffordern, deiner aus dem Vertrag resultierenden Zahlungspflicht nachzukommen. Dankeschön!

Meine Kontodaten lauten:

[...]

Ich räume dir hierzu Zeit bis zum xx.xx.2010 ein. Danach behalte ich mir weitere Schritte vor.


Gruß

Daniel P. Schenk
FALLENDREAM /media

Pretty cool, hm? Ich kann auch anders! Nicht, dass einer behauptet, es wären Missverständnisse aufgekommen.

Nur leider führte das auch zu keinem Resultat. Bobby entschied sich, zu schweigen. Und das war's. Puff. Das Ultimatum verstrich.

Ja.

Und so stehe ich nun hier. Bobby Wayne ist seither aus meinem Leben entfleucht. Was aus seiner Flugzeugfirma bzw. dem 150-Millionen-Dollar-Kredit geworden ist, weiß ich natürlich nicht. Ich plage mich mit rechtlichen Schritten rum. Ich habe einen siebenteiligen Blogpost geschrieben. Ich weiß nicht, was an der Geschichte wahr ist und was von Bobby Wayne frei erfunden; ich weiß nicht, inwiefern mein Verhalten Schuld trug am Auskühlen unserer Beziehung oder Bobby Wayne einfach seinen Spieltrieb verlor.

Ich weiß nicht, welche Moral ich aus alledem ziehen soll.

Wahrscheinlich: Was zu gut klingt, kann nicht wahr sein. Oder: Es war alles wahr und dein Glaube hat nicht ausgereicht. Oder: Glaube niemandem mit Klobrille um den Mund. Oder: Freunde von Uwe Boll sind scheiße.

Am ehesten aber wohl, dass Menschen mit dem moralischen und intellektuellen Verständnis von Grundschülern auch außerhalb vom Pausenhof zu finden sind. Und dass jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt seines Lebens seinen persönlichen Pizzaface hat, mit dem er diesen Grundschülern auf den Leim gehen kann.

Gute Nacht.


P.S.: Wenn du eine Meinung zu dieser unglaublichen Story hast - ich würde mich freuen, sie in den Kommentaren dieses Posts zu lesen.

P.P.S: Mehr Informationen zu dem besagten Filmprojekt und einen MUST-HAVE Newsletter findest du unter http://www.unnatural-movie.com. In dem Newsletter gehe ich auch nochmal speziell auf Bobby Waynes Verknüpfung ein.



Donnerstag, 6. Mai 2010

Die Unglaubliche Bobby Wayne Story #6

NICHT BESSER ALS JEDER PASSANT

Daniel, warum schreibst du diese Geschichte?

Hast du dich das auch schon gefragt? Man könnte meinen, dass es nicht sehr nett ist, die Beziehung zu einer anderen Person im Detail darzulegen. Ich schütze Bobby Waynes Identität, das schon. Aber höchstwahrscheinlich liest Bobby diese Zeilen mit und freut sich gerade gar nicht.

Wieso also? Musst auch DU morgen Angst haben, in einer monströsen Story aufgefaltet zu werden? Nur weil du mich kennengelernt hast?

Die Antwort lautet natürlich nein. Ich halte meine Beziehungen hoch und gelte als verschwiegener und vertrauenswürdiger Geheimnisträger. Das bleibt auch so.

Bobby Wayne allerdings... also Bobby... das ist etwas komplett anderes.

Bobby hat unsere Bekanntschaft von Anfang an und systematisch mit unhaltbaren - oder besser unbewiesenen - Unglaublichkeiten untermauert. Er hat mir Kontakte und Geräte und Aufträge versprochen. Er hat seine Unterschrift unter einen 10.000-Euro-Darlehensvertrag gesetzt! Er hat mich von einem Tag auf den anderen prinzipiell ignoriert. Er hat mein Ultimatum zur Richtigstellung der Sachlage stumm verstreichen lassen. Der einzige Grund, warum ich ihm keine russischen Schläger vor die Haustür bestelle, ist der, dass niemand zu Schaden kam.

Ich erzähle diese Geschichte, weil es eine solche Unglaublichkeit wert ist, erzählt zu werden.

Ich erzähle sie, weil ich mich noch niemals im Leben sosehr über einen fehlinvestierten Vertrauenskredit geärgert habe. Ich habe unsere Absprachen vor meinem Bekanntenkreis ausgebreitet und fühle mich jetzt wie der Verbreiter einer Lüge. Einer Lüge, die so unglaublich ist, dass sie aber niemand glaubte. Ich fühle mich wie ein dummer Lügner.

Ich erzähle diese Geschichte, weil ich die Sachlage richtig stellen will. Und andere Hirne entscheiden lassen möchte, wie man so ein Erlebnis bewerten muss.

Zurück zur Story.

Der Freitag war in Kroatien verlebt, und am Samstag sollte es endlich ans Set gehen. Zuvor freuten Matthew, der Kameramann, und ich uns auf das All-You-Can-Eat-Frühstücksbuffet.

Und tatsächlich sollte das auch das Highlight unseres Ausflugs werden.

Dabei begann das Wochenende vielversprechend.

Schon beim Frühstück trafen wir Dr. Uwe Boll! Das heißt, wir sahen ihn dort sitzen. Cooool. Der Film wurde also wirklich gedreht.

Wir setzten uns an einen Tisch ca. sechs Meter entfernt. Hätte ich gewusst, dass wir nie wieder näher an ihn herankommen würden - ich hätte mir ein Herz genommen und ihn angesprochen.

"Herr Boll, entschuldigen Sie die Störung, aber ich wollte Ihnen nur ganz kurz Hallo sagen. Mein Name ist Daniel P. Schenk, ich bin der Nachwuchsregisseur, der von Bobby Wayne an Ihr Set eingeladen wurde. Ich wollte mich herzlich für diese Möglichkeit bedanken. Wir sind schon sehr gespannt auf alles. Vielleicht bleibt am Abend ja eine Minute Zeit, um mal zu quatschen. Wir sind extra aus Deutschland angereist."

Das HÄTTE ich sagen sollen. Nachher ist man schlauer.

Aber ich dachte mir: "Pah, wieso denn! Immerhin habe ich einen heißen Draht. Wieso soll ich mich selbst vorstellen, wenn ich von einem Kontakte-Macher eingeladen wurde?"

Außerdem wollte ich Bobby nicht die Show stehlen. Ich dachte, er hätte einen Plan. Vielleicht einen cool inszenierten Autounfall, wo ich ins brennende Auto laufen und ein kleines Kätzchen hervorholen sollte... um es dann Uwe Boll zu überreichen.

Ich weiß auch nicht.

Bobby kam frühstücken. Er hielt für zwei Small-Talk-Sätze bei Uwe an und setzte sich dann zu uns. Seine 300 Euro teure Porsche-Brille hatte er locker auf den Kopf gezogen.

"Da hinten sitzt der Uwe, habt ihr gesehen?"

Ja, hatten wir. Aber Bobby machte keine Anstalten, die Verbindung herzustellen. Naja, dachte ich mir, vielleicht ist es gerade ungünstig. Herr Boll sprach mit einem wichtigen... Kellner.

Oder Bobby war noch nicht auf der Höhe. Noch müde; nicht scharf. Die Jagdinstinkte schlummerten; noch nicht hot hot hot. Das Kontakter-Gen ausgeschaltet; der Urlaubsmodus aktiv.

Er würde sicher den richtigen Moment finden, vielleicht direkt am Set. Da war Uwe voll in seinem Element.

Bobby erzählte noch von seinem Drei-Stunden-Schlaf, den er tapfer weggesteckt hatte. Dann nahmen wir uns ein Taxi zum Basecamp.

Das Basecamp war ein Trailerpark mit Zelten, der als Basis für die Crew fungierte. Die einzelnen Sets waren überall in der Altstadt verteilt; der Rückzugspunkt blieb immer gleich.

Und hier, an genau dieser Stelle, kurz nachdem wir aus dem Taxi stiegen und uns Bobby zum Warten veranlasste - genau hier begann die komplette Story zu kippen. Was ich jetzt erzähle, ist nicht spektakulär; für sich genommen sagt es nichts aus. Aber im Nachhinein markiert dieser Moment den endgültigen Wendepunkt für mich. Ich merkte, dass ich meine Sicht auf Bobby Wayne und meine Erwartung an seine Fähigkeiten radikal überdenken musste.

Wie folgt:

Wir standen am Rande des Basecamps und Bobby meinte, wir sollten hier warten. Er würde die Lage abchecken. Ok.

Unter"Lage abchecken" verstand ich, dass er uns nun anmelden würde. Er würde zu Uwe Boll oder zumindest zu einem Assistenten gehen und Bescheid geben, dass die beiden Filmjungs - ja genau! Die Jungs, die fast als Komparsen eingeplant wurden, die Jungs, die extra aus Deutschland anreisten, die Jungs, für die sich Uwe ein paar Minuten zum Reden Zeit nehmen wollte - also genau DIE Jungs vorm Basecamp standen und sich als artige Zuschauer fürs Wochenende einklinken würden. Ihr wisst Bescheid? Alles klar! Das war's schon.

Ich bin kein Fanboy-Stalker, der sich erst Backstage und später ins Hotel schleicht, um sich von seinem Star ein Baby machen zu lassen. So eine Anmeldung war für mich obligatorisch. Gerade am Set, wo alle fürchterlich konzentriert sind.

Und hier ist, was wirklich geschah:

Dr. Uwe Boll kam im Pulk mit drei Assistenten aus dem Basecamp gestiefelt, Bobby Wayne trabte mit seiner Porsche Brille hinterher. Matthew und ich standen mit unseren Rucksäcken - er der Große, ich der kleine daneben - etwa zwanzig Meter entfernt. Bobby fühlte sich gut, dort in der Truppe hinter Uwe Boll. Er gehörte dazu; ein enger Vertrauter des Multi-Millionen-Dollar Produzenten. Er sprach die Leute bei ihrem Vornamen an, das erschien absolut klar. Das Set hatte ihm seine Geheimnisse offenbart. Hier stand ein junger, interessierter, dynamischer, aufstrebender Top-Manager und Hoffnungsträger; ein vielbeschäftigter, aber auch weltoffener Globetrotter, für dessen Gegenwart sich Uwe Boll genauso glücklich schätzen konnte wie umgekehrt.

Und was Bobby nun für uns tat, für die beiden jungen Würstchen aus Deutschland, war etwas großes: Er sah sich mit seiner verspiegelten Brille beiläufig um in einer Mischung aus Leibwächter und Top-Manager, und ohne weiteren Aufhebens winkte er uns herbei.

Es war kein überschwengliches Winken, es sollte uns nicht näher holen oder die Berührungsangst nehmen. Es war ganz dezent auf Hüfthöhe ausgeführt, und seinen Körper hatte er nicht mitgedreht. Ein geheimes Zeichen, selbstverständlich unauffällig, welches uns die Verfolgung aufnehmen lassen sollte. Mehr nicht.

Ok.

Und etwa in diesem Moment begriff ich, dass Bobby Wayne nicht der heiße Kontakte-Macher war, für den ich ihn gehalten hatte.

Wir trabten Boll hinterher und waren irgendwann am Set. Das Team verschwand ins Haus, Bobby Wayne auch. Ich fühlte mich so willkommen wie eine Kakerlake in einer Küche. Wir warteten und irgendwann trabte Bobby Wayne wieder heraus.

"Da drinnen ist es sehr eng, tut mir leid, ich glaub nicht dass ihr da rein könnt."

Wie zum Trost lud uns Bobby dann ein, eine exklusive Rundführung mitzumachen. Er nahm uns an der Hand und führte uns zurück zum Basecamp, wo er uns alles zeigte. Und mit "alles" meine ich alles.

Das war wie gesagt in erster Linie ein Trailerpark. Bobby zeigte uns jeden Laster und jedes Zelt; und er kannte die Namen aller Leute. Wow.

Wir sahen
- das Cateringzelt
- den Matschweg
- die mobilen Toiletten
- die geparkten Privatautos
- kaffeetrinkende Crewmitglieder
- das Maskenmobil (klingt wie Batman, ist aber nur der Laster für die Kostüme)
- eine Vampirgesicht-Latexmaske auf zehn Meter Distanz

Matthew brachte es auf den Punkt, als wir alleine standen: "Hier gibt es nichts, was ich nicht schon selbst dreimal größer gesehen hätte. Und der macht ne Sightseeing-Tour draus."

Der Höhepunkt der Rundführung war, als uns Bobby freizügig anbot, vom Kaffee beim Catering-Tisch zu trinken. Kein Problem!

Wir realisierten schlagartig, was wir waren: Nämlich das denkbar Schlimmste, was einem Set passieren konnte.

Wir waren Set-Touristen der zweiten Generation. Das heißt, wir waren Heuschrecken, die von anderen Heuschrecken eingeladen wurden. Set-Touristen haben keine Funktion; im Grunde gaffen sie nur und trinken der Crew ihren Kaffee weg.

Bobby Wayne war ein Set-Tourist der ersten Generation, denn offensichtlich war er noch persönlich eingeladen worden. Wir hingegen...

Matthew sagte später: "Ich glaube Daniel, Bobby hat uns eingeladen, damit wir seine persönliche Unterhaltung am Set sind."

Ich glaube mittlerweile, das ist ein guter Ansatz. Bobby ging es nicht um irgendwelche Kontakte, um Networking oder neue Perspektiven; er wollte einfach nur ein dankbares Publikum haben.

Zu diesem Zeitpunkt war meine Laune rapide abgefallen. Wahrscheinlich bekam das Bobby auch mit. Wie zur Entschuldigung sagte er nach der Tour: "Naja ich weiß auch nicht, was ich euch noch erzählen soll."

Mach uns mal mit irgendjemandem bekannt du Spast!

Schoss es mir durch den Kopf und ihm am liebsten ins Gesicht. Sorry. Nett ist was anderes, ich weiß. Scheinbar ging an diesem Tag meine Geduld in die Knie.

Als er etwa ein Dutzend weitere Small-Talks mit der Crew abgefrühstückt hatte, nahm ich mir ein Herz und fragte ihn direkt: "Sag mal Bobby, weiß irgendjemand, dass wir hier sind?"

Bobby nickte eifrig. "Klar, der Uwe wusste damals Bescheid. Der hat das jetzt gerade sicher nur verpeilt weil er so viel um die Ohren hat."

Nun gut. Das mochte sein. Aber Bobby unternahm nichts gegen diesen Misstand. Dass Uwe Boll unsere Anwesenheit verpeilt hatte, schien nun in keinster Weise Bobby Waynes Problem zu sein. Der amüsierte sich in seiner Rolle als Set-Tourist prächtig, trank jede Menge Kaffee und freute sich über seinen großen Komparsenauftritt.

War es seine Schuld, dass wir so verkrampft am Rand des Sets standen?

Er meinte noch: "Klar dürft ihr hier stehen, das stört keinen. Ihr würdet höchstens mit dem Dimitri Probleme bekommen, der dahinten, der ist für die Security zuständig. Aber ich denke nicht, dass es da Probleme gibt."

Das war also das -Level- , oder sagen wir die Basis, auf der wir dort in Kroatien standen.

Wir hatten eine Generalerlaubnis von einem Set-Touristen. Wir durften Kaffeetrinken und da stehen, störte keinen. Höchstens den Mann von der Security. Der eigentlich dafür da war, um so lästige Heuschrecken wie uns loszuwerden. Die anderen hatten gar keine Zeit und Muse, sich mit Stalkern wie uns zu beschäftigen! War doch alles gut!?

Etwas (sehr) gefrustet entfernten wir uns vom Set. Ich nahm mir vor, Bobby am nächsten Tag deutlich um eine Vernetzung zu bitten. Heute war ich zu perplex.

Den Rest des Nachmittags ergab ich mich dann in Motz- und Witztiraden über Bobby. Das war ein Ablassventil. Auch fühlte ich mich vor Matthew ziemlich schlecht, den ich mit nach Kroatien geschleppt hatte. Ich kann definitiv nicht behaupten, nett gesprochen zu haben über Bobby. Moralisch gesehen verhielt ich mich falsch. Aber das war mir ziemlich egal.

Nun kann es sein, dass Bobby _vielleicht_ etwas von meiner Lästerei mitbekam. Es gab so einen Moment... da standen wir vor einem Haus, in dem Bobby sein Komparsenkostüm bekam. Je nachdem... wo genau der Raum eingerichtet war... *hust* hätte er uns durch ein Fenster hören können.

Zumindest ist das eine meiner besseren Erklärungen dafür, warum Bobby nach Kroatien schlagartig das Interesse an mir verlor.

Aber soweit sind wir noch nicht.

Am Abend kehrten Matthew und ich ins Hotel zurück, ich checkte meine Mails, chattete mit meiner Freundin, und schmiedete einen Schlachtplan für den Sonntag.

Was wollte ich genau? Fragst du dich vielleicht. Eigentlich nicht viel. Ich wollte nach Kroatien kommen und zumindest einmal im Bewusstsein von Uwe Boll gewesen sein!

Fanboy?

Nein. Aber ich wollte mein Netzwerk erweitern. Und zu einem Regisseur ans Set ins Ausland zu fliegen, das ist schon Einsatz, der wenigstens mit einem Small-Talk belohnt werden dürfte. Und später hätte ich den Kontakt ausgebaut; vielleicht um ein Treffen in Deutschland gebeten. Fuß in die Tür bekommen? Du weißt Bescheid.

Aber gut. Sonntag würde ich auf Bobby Waynes Schultern die Attacke schon reiten.

Dachte ich.

Denn genau dann passierte etwas vollkommen Unvorhergesehenes. Es war sehr tragisch und wenn es wahr ist, tut es mir auch fürchterlich leid.

Aber das Timing...

Das Timing war wie so vieles in Bobby Waynes Leben einfach unglaublich.

Gegen 17 Uhr erhielt ich eine SMS von Bobby, in der stand, dass er bereits Sonntagmorgen abreisen würde. Ein sehr enges Familienmitglied sei soeben verstorben. Peng.

Das war wie gesagt sehr tragisch. Ich spreche von einer Anakin-Luke-Familienbande. Und mein aufrichtiges Beileid, wenn dem tatsächlich so war.

Das hieß aber auch, dass jede Möglichkeit zur Verkupplung seitens Bobby geraubt war. Es war nicht mehr denkbar, dass Matthew und ich je mit Uwe Boll vernetzt werden würden.

Da saßen wir also, in der Lobby vom Hotel, und hatten plötzlich unseren einzigen, dünnen Faden zum Boll-Set verloren.

Am Sonntag hätten wir also nicht einmal Bobbys breite Schultern gehabt, hinter denen wir uns verstecken konnten. Wir würden dabei stehen wie jeder andere Passant auch. Ohne jemals irgendjemandem ernsthaft vorgestellt worden zu sein.

Wir wären nach Kroatien gekommen und hätten keinen neuen Kontakt in der Tasche gehabt; wir hätten nicht einmal Insider-Einblicke vom Set gewonnen. Defacto hätten wir genauso viel gesehen, wenn wir in irgendeinem Uwe Boll Fanforum (gibt es sowas?) vom Dreh gehört und ihn gestalked hätten.

Zwei junge Rucksack-Set-Touristen, die Meister Boll bis ins Hinterland folgten, um einen verzweifelten Blick auf den Dreh seines neuesten Werkes zu erhaschen.

Und genauso kam es.

Am Sonntag drehten sie auf offener Straße, also durften wir am Rand dabei stehen. Wie es viele andere Passanten auch taten.

Es war nett. Doch, schon. Aber viel hübscher als ein DVD Making Of war es auch nicht.

Wir stellten fest, dass Uwe Boll die meisten Einstellungen nur einmal dreht und grundsätzlich Zeitung zwischen den Aufnahmen liest. Aber ob das als Bilanz für einen Trip nach Kroatien reicht...

Auf Facebook lasen Matthew und ich am Montag dann, dass Bobby Waynes Flugzeug fast abgestürzt sei. Es handelte sich angeblich um ein Propellerflugzeug der Lufthansa (!), dem alle Triebwerke gleichzeitig ausgefallen waren. Notlandung in München; Weiterfahrt für Bobby dann im Zug nach Berlin.

So sehr ich später im Internet auch suchte, aber - von einer Notlandung in München am gegebenen Datum war nichts zu lesen.

Und so endete der Kroatien-Trip, ohne ein kleines Stück schlauer geworden zu sein. Doch die Story ist noch nicht vorbei. Immerhin war die RED Scarlet Kamera bereits in Berlin gelandet ud das Treffen zum 150 Millionen Dollar Kredit - und damit einem hochbezahlten Imagefilm - nur noch zwei Wochen entfernt. Und ein 10.000-Euro-Darlehen wartete auf seine Auszahlung.


P.S.: Mehr Informationen zu dem besagten Filmprojekt und einen MUST-HAVE Newsletter findest du unter http://www.unnatural-movie.com. In dem Newsletter gehe ich auch nochmal speziell auf Bobby Waynes Verknüpfung ein.

Dienstag, 20. April 2010

Die Unglaubliche Bobby Wayne Story #5

ANKUNFT IN KROATIEN

Einen Tag vor unserem Flug nach Kroatien trafen sich mein Freund, der Kameramann, und ich zu einem gemeinsamen Filmabend. Für diese Story nenne ich ihn Matthew.

Wir stimmten uns mit Uwe Bolls "Bloodrayne" auf den bevorstehenden Ausflug ein. Ich wollte vorher kein Fass über Uwe Boll aufmachen, deswegen lasse ich das auch hier bleiben. Auf alle Fälle erheiterte uns der Film.

Wenn es da nicht diesen kleinen Störfaktor gegeben hätte.

Denn Bobby Wayne war schon in Kroatien und rief an diesem Abend drei Mal binnen kürzester Zeit an, um mich über Nichtigkeiten vor Ort zu informieren. Ein Skype-Chat ging voraus.

Seine erste Meldung war etwas wichtiger, zugegeben; aber das Resultat blieb gleich. Denn er musste mir erzählen, die Begleichung unserer Hotelrechnung vergessen zu haben, und wie er das heute abend nachgeholt hatte. Die Reservierung war zwischendurch verfälscht worden; dann war kein Zimmer mehr frei. Mit purer Redekunst hatte es Bobby dann fertig gebracht, alles wieder auf den Status Quo zurückzuversetzen. Cool.

Das zweite Mal unterbrachen wir den Film etwas zerknirschter, denn Bobby rief erneut an, um mir zu erklären, wo unser Zimmer lag. 1618 - sechszehnter Stock - direkt rechts wenn du aus dem Aufzug kommst! Diese Information packte er in gefühlte zehn Minuten Redezeit. Ich blieb geduldig und bedankte mich für den Service.

Beim dritten Mal waren wir schon sehr überrascht, und es fiel mir schwer, die höfliche Dankbarkeit in meiner Stimme aufrecht zu erhalten. Denn ich wusste nicht, was ich noch sagen sollte - er erzählte von seiner defekten Klimaanlage und davon, wie man das Fenster im Zimmer öffnen konnte. Nämlich nur durch seitliches Schieben; das wäre bei uns bestimmt auch so.

Na dann. Konnte ja nichts mehr schiefgehen.

Als wir in Kroatien ankamen - ich möchte kein Tagebuch über die Eindrücke in diesem fremden Land führen, es geht immerhin um Bobby Wayne - warteten wir allerdings vergeblich auf den überaufmerksamen Telefonservice.

Verabredet war ein Gespräch um 14.00 Uhr, wo uns Bobby Wayne Instruktionen zum Weg ans Set geben sollte. Aus irgendwelchen Gründen hielt sich meine Überraschung in Grenzen, als das Telefon still blieb. Meine Anrufe blieben unbeantwortet. Wir gingen in die Stadt spazieren und bekamen einige Stunde später eine SMS. Bobby erklärte, heute passe es wirklich ganz schlecht, um ans Set zu kommen. Alles sei so eng. Na ok. Matthew und ich hatten ohnehin einen Ruhetag eingeplant. Wieso nicht der Freitag.

Wir verabredeten uns zum Abendessen mit Bobby.

Er kam in unser Zimmer (das von ihm bezahlte, so fair muss man sein!) und erzählte uns nach einigen Floskeln von seinen bisherigen Erlebnissen am Set.

An dieser Stelle wird es Zeit, auf Bobby Waynes Äußeres einzugehen. Er war mit seinen ein Meter paarundsechszig ein Stück kleiner als ich, leicht untersetzt und mit relativ kurzen Gliedmaßen bestückt. Das Fremdwort hierfür lautet Pykniker. Er trug eine klassische Klobrille rund um den Mund und hatte Geheimratsecken an der Grenze zum Haarausfall. Die Stirn legte sich beim Reden oft in besorgte Falten. Seine Kleidung war leger, ich glaube eine Jeans/Muskelshirt Kombination. Mit Anzugträgern sei er nie zurecht gekommen, pflegte er mir schon früh zu sagen.

Außerdem hatte er tags zuvor eine dreihundert Euro teure Porsche-Sonnenbrille erworben, was er zu keinem Zeitpunkt zu erwähnen vergaß.

Obwohl er in jedem Satz den Begriff "echt witzig" in Variationen benutzte, also

... das war echt witzig
... das ist echt witzig
... das wird echt witzig

sah man ihn nie lachen. Höchstens hämisch grinsen.

Seine Ausführungen zu den Erlebnissen am Set waren sehr detailiert. Dann holte er seinen Laptop und zeigte seine Bilder und Handyvideos. Es war wie ein Urlaubsnachtreffen. Er nannte uns alle Namen von der Crew und den Darstellern und das es mit den meisten echt witzig war. Keine Anekdote, keinen Kontakt ließ er aus. Im Großen und Ganzen hatten wir den verpassten Drehtag zum Schluss doch nicht verpasst.

Nun war das echt nett und ich ordnete diesen Detailreichtum unter "Briefing" ein. Wir sollten vorbereitet sein, wenn wir morgen die Leute kennenlernen würden. Trotzdem blieb das ungute Gefühl, von einem grenzdebilen Vollidioten sein egozentrisches Universum der Nichtigkeiten erklärt zu bekommen.

Dann kam es zum Darlehensvertrag. Bobby hatte ihn tatsächlich mitgebracht. Die Sache war also ernst! Super, dachte ich mir. Mit dem Zeugen Matthew im Raum unterschrieb Bobby seinen Part. Ich würde folgen, sobald ich die 10.000 Euro zinsloses Darlehen in Empfang genommen hatte. So sah es der Vertrag vor.

Cool. Mein neues Filmprojekt war finanziell gesichert. Dachte ich.

Doch ein ungutes Gefühl blieb. Als Bobby kurz in sein Zimmer zurückkehrte, meinte der schweigsame Matthew zu mir, der Bobby aufmerksam beobachtet hatte: "Daniel, das ist nie im Leben ein Manager. Never." Er spielte natürlich auf Bobbys Wesen an.

Ich sagte: "Er scheint Geld zu haben."
Matthew schüttelte den Kopf: "Mami und Papi."

Dann gingen wir zu dritt aus.

Im Aufzug fragte ich Bobby nach der RED Scarlet Kamera, die er mir besorgt hatte. Ich sei schon sehr heiß, wiederholte ich mich.

"Ja die Kamera ist diese Woche in Berlin angekommen. Ich schicke sie nächste Woche zu dir nach Köln."

Da staunte auch der kritische Matthew nicht schlecht. Ich vermute, er als Kameramann freute sich noch sehr viel mehr über diese Prototypen-Kamera.

Bobby wollte uns zu einem Geheimtip-Laden führen, der ihm von einem Crewmitglied empfohlen wurde. "Vielleicht treffen wir auch den Uwe, die Crew isst dort oft zu Abend." Leider fand er dieses Restaurant nicht. Es regnete wild, wir wanderten klatschnass durch die halbe Stadt und kamen dann in einem chinesischen Restaurant mit kroatischem Kellner unter.

Wir aßen das schlechteste chinesische Essen meines Lebens und sprachen über Nichtigkeiten. Doch immerhin lud uns Bobby ein. Außerdem erzählte er, wie er sich zwischendurch gerne einen Scherz daraus mache, in Apple Stores mit Kleingeld zu zahlen.

Auf dem Nachhause-Weg wollte Bobby unbedingt ein Taxi haben. Es hatte aufgehört zu regnen, daher war ich entspannt. Doch Bobby wanderte eine halbe Stunde um das Restaurant auf der Jagd nach einem Taxi. Zum Schluss schlugen Matthew und ich vor, schonmal los zu gehen, man könne sich das Taxi auf dem Weg bestellen.

Ok.

Gefühlte 200 Meter vor dem Hotel fand Bobby noch ein Taxi und bestieg es. Ich glaube, der Taxifahrer fuhr eine Schleife, damit sich die Fahrt rentierte. Ich kann mich irren.

Bobby fragte uns, ob wir auch den hochgepanzerten Wagen vor dem Hotel gesehen hätten. Der würde da parken.

Nein, hatten wir nicht.

Bobby erzählte uns detailiert, über welche hohe Sicherheitsstufe der besagte Wagen verfügte und dass diese Stufe in Deutschland den Politikern vorbehalten sei. Es klang ein wenig wie ein Bericht aus der Praline zum neuesten Ami-Hightech-Panzer. Zumindest sahen wir diesen Wagen niemals. Der Besitzer hatte wohl ausgecheckt.

... to be continued...


P.S.: Mehr Informationen zu dem besagten Filmprojekt und einen MUST-HAVE Newsletter findest du unter http://www.unnatural-movie.com. In dem Newsletter gehe ich auch nochmal speziell auf Bobby Waynes Verknüpfung ein.




Freitag, 9. April 2010

Die Unglaubliche Bobby Wayne Story #4

EINE RED SCARLET KAMERA UND 150 MILLIONEN DOLLAR KREDIT

Wenn sich die Bobby Wayne Story in allen Details als wahr erweist, habe ich wieder etwas über den Kosmos gelernt. Nämlich dass der Zufall im universellen Treiben einen wesentlich höheren Stellenwert einnimmt, als ich mir eingestehen wollte.

Die Wochen zwischen unserem Erstkontakt und dem Uwe Boll Set in Kroatien waren sehr ereignisreich. Der erste Eindruck von Bobby war hervorragend (auch wenn er gerne viel redete). Dieses Statement entfachte das Feuer:
Ich kann Dich sicherlich nicht in die major Studios bringen, aber Dir vielleicht den ein oder anderen Kontakt herstellen in der Hoffnung das sich dadurch vielleicht etwas ergibt das uns allen am Herzen liegt. Und zwar gute Filme.
Er versprach mir gleich zu Beginn zwei Berlinale Tickets - wie zur Untermauerung seines Netzwerks.

Und mit diesen Berlinale Tickets begann die ganze Chose.

Ich war nicht scharf darauf, auf die Berlinale zu gehen. Aber es war ein tolles Angebot und es wäre sehr unhöflich gewesen, abzusagen. Also wartete ich auf meine beiden Berlinale Tickets und lud meinen befreundeten Kameramann ein - denselben, der später nach Kroatien kommen sollte.

Der aber war skeptisch. Nicht wegen Bobby Wayne; aber seines Wissens nach liefen die Berlinale Tickets über eine namentliche Akkreditierung, und die Anmeldephase sei schon im letzten Jahr ausgelaufen.

In voller Großzügigkeit meines erteilten Vertrauenskredits ging ich davon aus, dass dies umso mehr für die Güte von Bobby Waynes Kontakten sprach. Hatte er eben einen Shortcut vorbei an den Warteschlangen, ätsch!

Er wollte sie mir zuschicken. Alles klar. So lief das im Hintergrund weiter.

Interessanter wurde die Geschichte, als wir auf mein neues Filmprojekt zu sprechen kamen. Denn Bobby Wayne war sehr interessiert, in diesen Film zu investieren!

Das machte mich neugierig, denn zu diesem Zeitpunkt hatte sich Bobby Wayne bereits als erfolgreicher Jung-Unternehmer positioniert. Nach seiner Zeit beim Flugzeuhersteller arbeitete er als Business Kontakter und verdiente auf Provisionsbasis, wann immer er Kontakte zusammenbrachte. Das schien viel Geld einzubringen.

Außerdem war sein Vater Besitzer einer Sicherheitsfirma in Las Vegas und hatte seinen Sohn seit jeher in dessen Unternehmungen unterstützt. Habe ich das noch nicht erzählt?

Und genau hier wird es Zeit, den größten Coup von Bobby Wayne aus dem Sack zu lassen. Er war omnipräsent und schwebte über allen Chats und Telefonaten.

Kurz zuvor war Bobby Wayne mit einem 500-seitigen Businessplan fertig geworden. Dieser Plan sollte einem großen Joint-Venture-Unternehmen (Kapitalgeber) vorgelegt werden. Er hatte nichts Geringeres vor, als den Flugzeughersteller, der 2007 bankrott gegangen war, neu aufzubauen. Derselbe Flugzeughersteller, der ihn von der Universität abgegriffen hatte. Derselbe Flugzeughersteller, bei dem er 3-4 Jahre lang als Foreign Business Consultant gearbeitet hatte.

Er brauchte nur ein wenig Kapital, um den Laden wieder aufzumachen. Das neue Flugzeug stand als Prototyp fertig im Hangar. Man hätte sofort mit der Massenproduktion beginnen und viel Geld einfahren können.

Konkret sprechen wir von einem 150 Millionen Dollar Kredit.

Jop.

In seinem Skype Status hatte er meistens "Living the dream..." stehen, was bei so einem gigantischen Projekt nachvollziehbar ist.

Zwischendurch erzählte er, monatlich 30.000 Dollar für eine Sicherheitsfirma aus eigener Tasche zu zahlen, die den Hangar bewachen sollte. Außerdem hatte er bereits 50.000 Dollar für die "Brand" ausgegeben, also für Visitenkarten, T-Shirts usw. Insgesamt steckte 80% seines gesamten Geldes in dem Projekt. Ohne den Kredit in der Tasche.

Das war umso ärgerlicher, weil Rechtsstreitigkeiten mit dem ursprünglichen Besitzer aufkamen. Der wollte zu viel Geld für den Namen, also musste alles geändert werden.

Das führte auch zur nächsten "Delle" in unserem Kontakt. Die erste waren die Berlinale Tickets, die niemals ankamen.

Wir beschlossen nämlich, dass wir uns treffen wollten. Vor Kroatien. Zum Investment. Bobby versetzte mich drei Mal, obwohl er dieses Treffen selbst vorgeschlagen hatte. Er war immer unterwegs und bekam es am Ende "nicht mehr hin". Sein Projekt und die Anwalts-Meetings gingen vor.

Busy Man, dachte ich eben.

Beim letzten Mal schaufelte ich mir ein Zeitfenster, wir verabredeten uns fest - und er war angeblich in New York.

Das warf einen Schatten. Überhaupt keine Sicherheit haben, selbst bei festen Terminen? Keine Absage, keine Entschuldigung? Erste Zweifel kamen auf. Busy Man hin oder her.

Doch immerhin war die RED Scarlet auf dem Weg!

Was das wieder ist?

Ich hatte Bobby von meinem Film erzählt und davon, dass wir noch die richtige Kamera suchen. Dann begann ich von der RED Scarlet zu schwärmen, einer Kamera der nächsten Generation. Problem: Diese Kamera war noch gar nicht auf dem Markt.

Bobby meinte, er würde mal Danny fragen. Danny war der Marketingchef, der ihm auch die Berlinale Tickets besorgen wollte.

Am nächsten Morgen schrieb mir Bobby eine lässige, kurze Skypenachricht:

"Also die Red Scarlet ist auf dem Weg, sollte so in 6-8 Wochen da sein."

oO

Soviel Blut ist mir selten auf einmal in den Kopf geschossen. Vielleicht noch damals, als mir mein Schulfreund die Pizza-Face Actionfigur versprochen hatte.

Ich konnte es kaum fassen, stammelte in Skype vor mich hin... und rief Bobby am Abend an, freudentrunken. Der konnte den ganzen Radau gar nicht verstehen.

"Wir verrechnen das einfach mit deiner Gage später. Wenn die Kamera dein größtes Problem für den Film ist, dann sollst du dir keinen Kopf machen."

Wieso kann die Welt nicht immer so einfach sein?

Achja, welche Gage fragst du jetzt. Das ist die andere Geschichte.

Bobby wollte mich als Regisseur für den Imagefilm haben. Den Imagefilm für sein künftiges Flugzeugunternehmen.

Er schickte mir den Link zu dem letzten Imagefilm. Der sah ganz gut aus. Ich hätte es besser hinbekommen.

Vor allem dann, als Bobby mir das Budget dieses Imagefilms offenbarte:

1,2 Millionen Dollar.

Der Film war ca. 5 Minuten lang, sowas hatte ich noch nie gehört. Mit dem Geld hätte man eine Hollywood Crew engagieren können. Scheinbar, dachte ich mir, hat die Produktionsfirma ein gutes Geschäft gemacht, weil die BESTEN wurden für dieses Geld nicht eingekauft.

Jetzt verstehst du auch, wieso die RED Scarlet mit ihren ca. 3000 Dollar Peanuts für Bobby Wayne waren.

Ich freute mich also auf die RED Scarlet und auf meine Restgage für den Imagefilm, den ich Ende des Jahres drehen sollte. Für ca. eine Million Dollar.

Perfekt!

Und zuletzt gelang unser Treffen doch. Bobby kam nach Köln, um dort eine Zweigfiliale für sein Unternehmen aufzubauen. Direkt über den Büros von Brainpool (Stefan Raab).

Wir trafen uns im Hotel und er trug eine "Brand"-Jacke (Name des Flugzeugunternehmens eingestickt). Ich glaubte, das wäre aus seinem 50.000-Dollar-Merchandise-Fundus. Defacto hätte das genauso gut eine Jacke von damals sein können, ein Geschenk der Firma an ihre Mitarbeiter.

Wir sprachen über meinen Film und davon, wie er gerne mit 10.000 Euro investieren würde. Als zinsloses Darlehen! Very cool. In einem zweiten Schritt wollte er dann mit mir zusammen eine Limited in England gründen, die für die Auswertung zuständig war. Er würde die Gründungskosten tragen und zwei Marketingleute einstellen - und das komplette Entscheidungsrecht über alle Strategien sollte bei mir liegen. Er wolle sich im Hintergrund halten. Hatte ja genug anderes zutun.

Das klang traumhaft, und ich fragte mich: "Habe ich ihn endlich gefunden? Den einen, den perfekten Businesspartner?"

Wir vereinbarten, einen Vertrag aufzusetzen. Der sollte dann in Kroatien unterschrieben werden. Die RED Scarlet war auf ihrem Weg von Los Angeles nach Berlin. Ich würde bald High-Class-Imagefilme drehen. Ich würde Uwe Boll, einen internationalen Filmproduzenten, kennenlernen. Ich hatte das Geld und einen potenten Partner für mein Abenteuer "Film".

Perfekt.

Was ich nicht hatte, waren die Berlinale Tickets. Egal. War nicht scharf drauf.

Und dann kam Kroatien. Lese im nächsten Post, wie sechs Meter Luftlinie zu Uwe Boll am Frühstücksbuffet mein einziger Kontakt wurden, wie wir am Film-Set genauso willkommen wie dahergelaufene Passanten waren, und wie ein tragischer Zwischenfall Bobby Wayne aus Kroatien flüchten ließ, bevor er auch nur zum geringsten Networking ausholen konnte.

...to be continued...


P.S.: Mehr Informationen zu dem besagten Filmprojekt und einen MUST-HAVE Newsletter findest du unter http://www.unnatural-movie.com. In dem Newsletter gehe ich auch nochmal speziell auf Bobby Waynes Verknüpfung ein.