Lange Zeit habe ich die Finger davon gelassen, da mir weder das Schnulzenpaar DiCaprio/Winslet, noch die Backcover-Story von einem Beziehungsdrama einen sonderlich appetittlichen Film versprach. Heute schließlich, um zwei Uhr nachts am Schalter der 24h-Stunden-Videothek, habe ich es mir dann anders überlegt und bin entgegen niedriger Erwartungen aufs Äußerste überrascht worden.
Dem Film gelingt, was meiner Meinung nach nur wenigen Filmen vergönnt ist: Eine tiefe menschliche Wahrheit in seinem Verlauf abzubilden. Die Leistung des von mir bislang verschmähten Schauspielerpaares tat zur punktpräzisen Inszenierung eines Sam "Amercian Beauty" Mendes und dem einfühlsamen Score eines Thomas Newman sein Übriges und hat einen Film entstehen lassen, der im Sinne seiner Aufgabenstellung 10 meiner 10 denkbaren Punkte erhält.
Ich will gar nicht weiter auf die Story eingehen, nur soviel: Tatsächlich handelt es sich um ein waschechtes Beziehungsdrama im ursprünglichsten Sinne, das um den vermeintlichen Traum eines gemeinsamen Neuanfangs in Paris und den damit einhergehenden Ängsten kreist. Wer den Film schaut, muss sich auf ein eben solches Drama einstellen: Laute und krude Momente wechseln mit einfühlsamen Liebesbekenntnissen in einem Rhythmus, der für jeden, der eigentlich gerade keine emotionale Achterbahn fahren wollte, schon fast anstrengend wirken kann. Das Spiel der Darsteller, auch in vielen Nebenrollen, hat für mich desöfteren einen Hauch des Overactings gehabt. Zugegeben also, der Affekt und das nach außen getragene Geplänkel fahren hart an einer Grenze, die je nach persönlicher Laune des Zuschauers vielleicht auch mal überschritten wird.
Und dennoch bin ich von dem Film und seiner Story hellauf begeistert. Denn er schafft es, das Gefühl zu vermitteln, dass all diese spannungsgeladenen, äußerlichen Momente immer noch gar nichts sind im Vergleich zu dem, was im Inneren der Charaktere vor sich geht. Er erzählt von zwei Menschen, mit denen man sich (ich zumindest) gut identifzieren kann, die in ihrem nahezu verzweifelten Streben nach Einzigartigkeit einen Traum leben wollen, der genau in dem Maße vernünftig und törricht wirkt, wie es der Verlauf des Films zeichnen will. Wir leben mit dem Pärchen ihre Krise aus, genießen mit ihnen zusammen das berauschende Gefühl, bald dem tristen Alltag nach Paris zu entfliehen und fühlen uns sodann ertappt, als sich die nachvollziehbaren Gründe dagegen entwickeln und wir selbst ratlos zurückbleiben.
Und zum Schluss ist alles so, wie man es von der nüchternen Wirklichkeit und dem menschlichen Gemüt erwarten würde, ohne aber die Charaktere, die ihm zum Opfer fallen, zu verurteilen. Gut, das dramatisierte Ende setzt dann noch einen oben drauf, aber das macht den Film schließlich auch zu dem erzählerischen Meisterwerk, für das ich ihn halte (nur Realität ist ja auf doof ;)). Ich würde soweit gehen und dem Plot eine Shakespeare'sche Tragweite zusprechen, ebenso wie eine Tragik. Denn ohja, traurig ist er auch, unendlich traurig. Aber ein Denkmal für die Menschlichkeit.
So, dann mache ich mal auf und bringe ihn zurück. Das Menü, das in Warteschleife im anderen Zimmer läuft, geht mir trotz des fantastischen Inhalts allmählich auf den Senkel ;)

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