Ganz unspektakulär saßen Uematsu und seine drei Komponisten-Kollegen/Innen einfach in der Menge des Publikums, während die sonst ältere Töne gewohnten Hallen unter der orchestrierten Wucht der Welten von Secret of Mana, Kingdom Hearts, Chrono Trigger und Final Fantasy erbebten.
Vielleicht klingt das dramatischer als es war, aber mich persönlich hat es doch außerordentlich berührt, die Klänge meiner Kindheit nun in formvollendeter Pracht erneut hören zu dürfen. Und es ist noch etwas mehr als das; es kam einer großen Genugtuung gleich, meine tiefe und alte Leidenschaft nach so langen Jahren endlich voll anerkannt zu sehen. Die Klänge von vielen vielen Jahren nur müde belächelten Videospielen waren endlich verwoben mit den Instrumenten und Musikern der großen Klassik. Egal wie stark sie ihre Instrumente und Gehirne nun auch waschen mögen, von gestern an haften ihnen auch immer ein paar Bits und Bytes an. Am liebsten wäre ich aufgesprungen und hätte geschrieen: Ha! Seht ihr! Es ist der Tag gekommen! Aber es waren ja nur andere Fans da...
Daher bin ich wenigstens für mehrere Standing Ovations aufgesprungen. Witzig war, als der Moderator Chrono Trigger ankündigen wollte, es sich aber nicht verkneifen konnte, den Namen Nobou Uematsu (Komponist der legendären Final Fantasy) zu erwähnen. Obwohl nur als Randnotiz gedacht, brach daraufhin jubelnder Applaus aus, obwohl die Blumen ja eigentlich dem Komponisten von Chrono Trigger, Yasunori Mitsuda, gelten sollten... aber wann kann man seinem großen Idol schon einmal live Tribut zollen? So bekam Uematsu-San dann die doppelte Ladung Applaus*.
Die Stücke waren schön orchestriert, ich persönlich hätte aber durchaus auf Kingdom Hearts verzichten können und dafür mehr von Final Fantasy gehört. Immerhin ist dies die bekannteste Reihe von Square-Enix und hat im wahrsten Sinne des Wortes ein Dutzend gelungener Soundtracks zu bieten. Auch bin ich kein sonderlicher Fan von Medleys. Lieber hätte ich die einzelnen Stücke seperat voneinander gehört, dafür jedes intensiver. Aber gut, in zwei Stunden lassen sich eben nur X Inhalte packen.
Die größte Beinahe-Enttäuschung war, als das Final Fantasy Medley ganz ohne den Klassiker "One Winged Angel" endete. Doch es gab eine Zugabe und es war, als hätte diese Schlawiner genau gewusst, das Publikum zu prellen. Denn am Ende kam es dann doch, und das Publikum jubelte und klatschte sogar in die Aufführung rein.
Das einzige, was ich mir vorwerfe, ist, dass ich beim ersten Applaus für Herrn Uematsu nicht auch aufgestanden bin. Habe ich übrigens schon gesagt, dass ich eines Tages mal mit ihm zusammen arbeiten werde? Nein? Dann nehmt das an dieser Stelle als ein festes Versprechen hin.
* Uematsu hat auch Anteil am Chrono Trigger Soundtrack. Aber sein Applaus stand in keinem Verhältnis zu dem des Hauptverantwortlichen.
