In seinen verstörenden Bildern führt er den Betrachter in eine Welt, in der das Abgründige und Unerklärliche regiert.
Dieses Zitat aus dem Programmheft der Dark Splendor Ausstellung könnte genauso gut seinen Filmen gelten. Die Rede ist natürlich von David Lynch, einem breiten Publikum durch Filme wie "Lost Highway", "Blue Velvet" und "Mulholland Drive" bekannt. Auch die Kultserie "Twin Peaks" und das klassische Sci-Fi Epos "Dune - der Wüstenplanet" entschlüpften einst seinem Regiestuhl.

Dass Lynch auch bildender Künstler ist, wissen hingegen wenige. Tatsächlich ist er erst über die Malerei zum Film gekommen, als er einst seine Gemälde betrachtete und zum Ergebnis kam: "... da fehlt Bewegung."
Seit November 2009 kam man nun seine Non-Film-Arbeiten im Max-Ernst-Museum in Brühl begutachten, bis einschließlich April 2010. Und da ich mal wieder total hinten dran war und nichts von der Verlängerung mitbekommen hatte, bin ich gestern flugs ins Museum geeilt, weil ich noch den alten Schließungstermin Mitte März im Kopf hatte. Immerhin brachte mich dieser Irrtum in Bewegung und so können wir uns nun über ein Review freuen, was überraschenderweise noch Sinn macht! Denn Zeit hättest du zum Besuch noch genug.
Was soll ich also schreiben. Ich bin kein Kunstkritiker und auch kein Liebhaber von moderner Kunst, insofern kaum qualifiziert. Aber vielleicht macht gerade das meinen Text sympathisch ;) Du entscheidest.
Die Ausstellung ist vor allem eines - überschaubar. 150 Exponate klingt viel, ist aber in 30-45 Minuten locker verinnerlicht. Wer mehr aus seinen 5 Euro Ticketpreis haben will, besucht also die Max Ernst Ausstellung gleich mit (ein anderer Surrealist, aber mit weniger Geschlechtsteilen in seinen Bildern). Die Bilder sind teilweise mit Soundeffekten unterlegt, und wer auch nur einen Lynchfilm gesehen hat, fühlt sich hier gleich wohl (vorausgesetzt, er fühlte sich beim Film wohl). Düstere, deformierte Kompositionen unterschiedlichster Herstellungstechnik blinzeln dem Betrachter aus ihrer tiefen Schwärze entgegen. Lynch selbst sagt, seine Arbeiten seien organisch, also müssten sie primitiv und roh, mehr von der Natur als ihm selbst hergestellt werden. Sinngemäß, das stand auf irgendeiner Wand. Und so sehen wirken die Bilder auch: Gewaltvoll, chaotisch und bedrohlich. Achja, und bisweilen pornographisch, aber das nur am Rande. Etwas enttäuscht haben mich seine "Industrial" Fotografien. Sie dokumentieren den Verfall, aber ganz im Ernst, auf Flickr siehst du heute unter jedem dritten Account virtuose Bilder von zerfallenen Konstruktionen. Dafür gab es einige Bilder, die durch Doppelbelichtungen und andere Tricksereien weibliche Motive verfremdeten - mit teilweise hervorragender, ästhetischer und emotionaler Wirkung. Der geschmacklos tapezierte Wohnzimmerraum, der als begehbare Plastik angefertigt wurde, hat mich wiederum nicht vom dort platzierten Sofa gehauen. Hier schaust du lieber "Blue Velvet" und da die Szenen mit den dicken Frauen in der hässlichen Wohnung - da kommt mehr Feeling auf.
Absolut lohnenswert waren die Kurzfilme, die in einem Nebenraum abgespielt wurden. Sie stammen aus Lynchs Studienzeit und belegen eindrucksvoll, in welch frühem Alter welches enorme Talent in dem ernst blickenden Jungen mit der wilden Dauerwelle geschlummert hat. "Angenehm" ist vielleicht das falsche Attribut, wenn man die Qualitäten beschreiben soll; im Gegenteil sind die Bild- und Klangwelten kaum erträglich! Aber auf eine Weise, wie ein guter Horrorfilm kaum erträglich ist. Es gehört ein wenig Mumm dazu, aber am Ende ist man um eine Seherfahrung reicher.
So möchte die Dark Splendor Ausstellung vor allem jenen Menschen empfehlen, die wie ich nicht ausgemachte Kunstkenner sind, die aber auch keine Berührungsängste haben und die sich darüber freuen, die inneren Welten eines ansonsten wohlbekannten Künstlers durch ein neues Medium zu erkunden. Ok dieser letzte Satz war ein wenig blabla. Aber vielleicht hilft dir diese Google Bildersuche weiter.

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