Dienstag, 20. April 2010

Die Unglaubliche Bobby Wayne Story #5

ANKUNFT IN KROATIEN

Einen Tag vor unserem Flug nach Kroatien trafen sich mein Freund, der Kameramann, und ich zu einem gemeinsamen Filmabend. Für diese Story nenne ich ihn Matthew.

Wir stimmten uns mit Uwe Bolls "Bloodrayne" auf den bevorstehenden Ausflug ein. Ich wollte vorher kein Fass über Uwe Boll aufmachen, deswegen lasse ich das auch hier bleiben. Auf alle Fälle erheiterte uns der Film.

Wenn es da nicht diesen kleinen Störfaktor gegeben hätte.

Denn Bobby Wayne war schon in Kroatien und rief an diesem Abend drei Mal binnen kürzester Zeit an, um mich über Nichtigkeiten vor Ort zu informieren. Ein Skype-Chat ging voraus.

Seine erste Meldung war etwas wichtiger, zugegeben; aber das Resultat blieb gleich. Denn er musste mir erzählen, die Begleichung unserer Hotelrechnung vergessen zu haben, und wie er das heute abend nachgeholt hatte. Die Reservierung war zwischendurch verfälscht worden; dann war kein Zimmer mehr frei. Mit purer Redekunst hatte es Bobby dann fertig gebracht, alles wieder auf den Status Quo zurückzuversetzen. Cool.

Das zweite Mal unterbrachen wir den Film etwas zerknirschter, denn Bobby rief erneut an, um mir zu erklären, wo unser Zimmer lag. 1618 - sechszehnter Stock - direkt rechts wenn du aus dem Aufzug kommst! Diese Information packte er in gefühlte zehn Minuten Redezeit. Ich blieb geduldig und bedankte mich für den Service.

Beim dritten Mal waren wir schon sehr überrascht, und es fiel mir schwer, die höfliche Dankbarkeit in meiner Stimme aufrecht zu erhalten. Denn ich wusste nicht, was ich noch sagen sollte - er erzählte von seiner defekten Klimaanlage und davon, wie man das Fenster im Zimmer öffnen konnte. Nämlich nur durch seitliches Schieben; das wäre bei uns bestimmt auch so.

Na dann. Konnte ja nichts mehr schiefgehen.

Als wir in Kroatien ankamen - ich möchte kein Tagebuch über die Eindrücke in diesem fremden Land führen, es geht immerhin um Bobby Wayne - warteten wir allerdings vergeblich auf den überaufmerksamen Telefonservice.

Verabredet war ein Gespräch um 14.00 Uhr, wo uns Bobby Wayne Instruktionen zum Weg ans Set geben sollte. Aus irgendwelchen Gründen hielt sich meine Überraschung in Grenzen, als das Telefon still blieb. Meine Anrufe blieben unbeantwortet. Wir gingen in die Stadt spazieren und bekamen einige Stunde später eine SMS. Bobby erklärte, heute passe es wirklich ganz schlecht, um ans Set zu kommen. Alles sei so eng. Na ok. Matthew und ich hatten ohnehin einen Ruhetag eingeplant. Wieso nicht der Freitag.

Wir verabredeten uns zum Abendessen mit Bobby.

Er kam in unser Zimmer (das von ihm bezahlte, so fair muss man sein!) und erzählte uns nach einigen Floskeln von seinen bisherigen Erlebnissen am Set.

An dieser Stelle wird es Zeit, auf Bobby Waynes Äußeres einzugehen. Er war mit seinen ein Meter paarundsechszig ein Stück kleiner als ich, leicht untersetzt und mit relativ kurzen Gliedmaßen bestückt. Das Fremdwort hierfür lautet Pykniker. Er trug eine klassische Klobrille rund um den Mund und hatte Geheimratsecken an der Grenze zum Haarausfall. Die Stirn legte sich beim Reden oft in besorgte Falten. Seine Kleidung war leger, ich glaube eine Jeans/Muskelshirt Kombination. Mit Anzugträgern sei er nie zurecht gekommen, pflegte er mir schon früh zu sagen.

Außerdem hatte er tags zuvor eine dreihundert Euro teure Porsche-Sonnenbrille erworben, was er zu keinem Zeitpunkt zu erwähnen vergaß.

Obwohl er in jedem Satz den Begriff "echt witzig" in Variationen benutzte, also

... das war echt witzig
... das ist echt witzig
... das wird echt witzig

sah man ihn nie lachen. Höchstens hämisch grinsen.

Seine Ausführungen zu den Erlebnissen am Set waren sehr detailiert. Dann holte er seinen Laptop und zeigte seine Bilder und Handyvideos. Es war wie ein Urlaubsnachtreffen. Er nannte uns alle Namen von der Crew und den Darstellern und das es mit den meisten echt witzig war. Keine Anekdote, keinen Kontakt ließ er aus. Im Großen und Ganzen hatten wir den verpassten Drehtag zum Schluss doch nicht verpasst.

Nun war das echt nett und ich ordnete diesen Detailreichtum unter "Briefing" ein. Wir sollten vorbereitet sein, wenn wir morgen die Leute kennenlernen würden. Trotzdem blieb das ungute Gefühl, von einem grenzdebilen Vollidioten sein egozentrisches Universum der Nichtigkeiten erklärt zu bekommen.

Dann kam es zum Darlehensvertrag. Bobby hatte ihn tatsächlich mitgebracht. Die Sache war also ernst! Super, dachte ich mir. Mit dem Zeugen Matthew im Raum unterschrieb Bobby seinen Part. Ich würde folgen, sobald ich die 10.000 Euro zinsloses Darlehen in Empfang genommen hatte. So sah es der Vertrag vor.

Cool. Mein neues Filmprojekt war finanziell gesichert. Dachte ich.

Doch ein ungutes Gefühl blieb. Als Bobby kurz in sein Zimmer zurückkehrte, meinte der schweigsame Matthew zu mir, der Bobby aufmerksam beobachtet hatte: "Daniel, das ist nie im Leben ein Manager. Never." Er spielte natürlich auf Bobbys Wesen an.

Ich sagte: "Er scheint Geld zu haben."
Matthew schüttelte den Kopf: "Mami und Papi."

Dann gingen wir zu dritt aus.

Im Aufzug fragte ich Bobby nach der RED Scarlet Kamera, die er mir besorgt hatte. Ich sei schon sehr heiß, wiederholte ich mich.

"Ja die Kamera ist diese Woche in Berlin angekommen. Ich schicke sie nächste Woche zu dir nach Köln."

Da staunte auch der kritische Matthew nicht schlecht. Ich vermute, er als Kameramann freute sich noch sehr viel mehr über diese Prototypen-Kamera.

Bobby wollte uns zu einem Geheimtip-Laden führen, der ihm von einem Crewmitglied empfohlen wurde. "Vielleicht treffen wir auch den Uwe, die Crew isst dort oft zu Abend." Leider fand er dieses Restaurant nicht. Es regnete wild, wir wanderten klatschnass durch die halbe Stadt und kamen dann in einem chinesischen Restaurant mit kroatischem Kellner unter.

Wir aßen das schlechteste chinesische Essen meines Lebens und sprachen über Nichtigkeiten. Doch immerhin lud uns Bobby ein. Außerdem erzählte er, wie er sich zwischendurch gerne einen Scherz daraus mache, in Apple Stores mit Kleingeld zu zahlen.

Auf dem Nachhause-Weg wollte Bobby unbedingt ein Taxi haben. Es hatte aufgehört zu regnen, daher war ich entspannt. Doch Bobby wanderte eine halbe Stunde um das Restaurant auf der Jagd nach einem Taxi. Zum Schluss schlugen Matthew und ich vor, schonmal los zu gehen, man könne sich das Taxi auf dem Weg bestellen.

Ok.

Gefühlte 200 Meter vor dem Hotel fand Bobby noch ein Taxi und bestieg es. Ich glaube, der Taxifahrer fuhr eine Schleife, damit sich die Fahrt rentierte. Ich kann mich irren.

Bobby fragte uns, ob wir auch den hochgepanzerten Wagen vor dem Hotel gesehen hätten. Der würde da parken.

Nein, hatten wir nicht.

Bobby erzählte uns detailiert, über welche hohe Sicherheitsstufe der besagte Wagen verfügte und dass diese Stufe in Deutschland den Politikern vorbehalten sei. Es klang ein wenig wie ein Bericht aus der Praline zum neuesten Ami-Hightech-Panzer. Zumindest sahen wir diesen Wagen niemals. Der Besitzer hatte wohl ausgecheckt.

... to be continued...


P.S.: Mehr Informationen zu dem besagten Filmprojekt und einen MUST-HAVE Newsletter findest du unter http://www.unnatural-movie.com. In dem Newsletter gehe ich auch nochmal speziell auf Bobby Waynes Verknüpfung ein.




Freitag, 9. April 2010

Die Unglaubliche Bobby Wayne Story #4

EINE RED SCARLET KAMERA UND 150 MILLIONEN DOLLAR KREDIT

Wenn sich die Bobby Wayne Story in allen Details als wahr erweist, habe ich wieder etwas über den Kosmos gelernt. Nämlich dass der Zufall im universellen Treiben einen wesentlich höheren Stellenwert einnimmt, als ich mir eingestehen wollte.

Die Wochen zwischen unserem Erstkontakt und dem Uwe Boll Set in Kroatien waren sehr ereignisreich. Der erste Eindruck von Bobby war hervorragend (auch wenn er gerne viel redete). Dieses Statement entfachte das Feuer:
Ich kann Dich sicherlich nicht in die major Studios bringen, aber Dir vielleicht den ein oder anderen Kontakt herstellen in der Hoffnung das sich dadurch vielleicht etwas ergibt das uns allen am Herzen liegt. Und zwar gute Filme.
Er versprach mir gleich zu Beginn zwei Berlinale Tickets - wie zur Untermauerung seines Netzwerks.

Und mit diesen Berlinale Tickets begann die ganze Chose.

Ich war nicht scharf darauf, auf die Berlinale zu gehen. Aber es war ein tolles Angebot und es wäre sehr unhöflich gewesen, abzusagen. Also wartete ich auf meine beiden Berlinale Tickets und lud meinen befreundeten Kameramann ein - denselben, der später nach Kroatien kommen sollte.

Der aber war skeptisch. Nicht wegen Bobby Wayne; aber seines Wissens nach liefen die Berlinale Tickets über eine namentliche Akkreditierung, und die Anmeldephase sei schon im letzten Jahr ausgelaufen.

In voller Großzügigkeit meines erteilten Vertrauenskredits ging ich davon aus, dass dies umso mehr für die Güte von Bobby Waynes Kontakten sprach. Hatte er eben einen Shortcut vorbei an den Warteschlangen, ätsch!

Er wollte sie mir zuschicken. Alles klar. So lief das im Hintergrund weiter.

Interessanter wurde die Geschichte, als wir auf mein neues Filmprojekt zu sprechen kamen. Denn Bobby Wayne war sehr interessiert, in diesen Film zu investieren!

Das machte mich neugierig, denn zu diesem Zeitpunkt hatte sich Bobby Wayne bereits als erfolgreicher Jung-Unternehmer positioniert. Nach seiner Zeit beim Flugzeuhersteller arbeitete er als Business Kontakter und verdiente auf Provisionsbasis, wann immer er Kontakte zusammenbrachte. Das schien viel Geld einzubringen.

Außerdem war sein Vater Besitzer einer Sicherheitsfirma in Las Vegas und hatte seinen Sohn seit jeher in dessen Unternehmungen unterstützt. Habe ich das noch nicht erzählt?

Und genau hier wird es Zeit, den größten Coup von Bobby Wayne aus dem Sack zu lassen. Er war omnipräsent und schwebte über allen Chats und Telefonaten.

Kurz zuvor war Bobby Wayne mit einem 500-seitigen Businessplan fertig geworden. Dieser Plan sollte einem großen Joint-Venture-Unternehmen (Kapitalgeber) vorgelegt werden. Er hatte nichts Geringeres vor, als den Flugzeughersteller, der 2007 bankrott gegangen war, neu aufzubauen. Derselbe Flugzeughersteller, der ihn von der Universität abgegriffen hatte. Derselbe Flugzeughersteller, bei dem er 3-4 Jahre lang als Foreign Business Consultant gearbeitet hatte.

Er brauchte nur ein wenig Kapital, um den Laden wieder aufzumachen. Das neue Flugzeug stand als Prototyp fertig im Hangar. Man hätte sofort mit der Massenproduktion beginnen und viel Geld einfahren können.

Konkret sprechen wir von einem 150 Millionen Dollar Kredit.

Jop.

In seinem Skype Status hatte er meistens "Living the dream..." stehen, was bei so einem gigantischen Projekt nachvollziehbar ist.

Zwischendurch erzählte er, monatlich 30.000 Dollar für eine Sicherheitsfirma aus eigener Tasche zu zahlen, die den Hangar bewachen sollte. Außerdem hatte er bereits 50.000 Dollar für die "Brand" ausgegeben, also für Visitenkarten, T-Shirts usw. Insgesamt steckte 80% seines gesamten Geldes in dem Projekt. Ohne den Kredit in der Tasche.

Das war umso ärgerlicher, weil Rechtsstreitigkeiten mit dem ursprünglichen Besitzer aufkamen. Der wollte zu viel Geld für den Namen, also musste alles geändert werden.

Das führte auch zur nächsten "Delle" in unserem Kontakt. Die erste waren die Berlinale Tickets, die niemals ankamen.

Wir beschlossen nämlich, dass wir uns treffen wollten. Vor Kroatien. Zum Investment. Bobby versetzte mich drei Mal, obwohl er dieses Treffen selbst vorgeschlagen hatte. Er war immer unterwegs und bekam es am Ende "nicht mehr hin". Sein Projekt und die Anwalts-Meetings gingen vor.

Busy Man, dachte ich eben.

Beim letzten Mal schaufelte ich mir ein Zeitfenster, wir verabredeten uns fest - und er war angeblich in New York.

Das warf einen Schatten. Überhaupt keine Sicherheit haben, selbst bei festen Terminen? Keine Absage, keine Entschuldigung? Erste Zweifel kamen auf. Busy Man hin oder her.

Doch immerhin war die RED Scarlet auf dem Weg!

Was das wieder ist?

Ich hatte Bobby von meinem Film erzählt und davon, dass wir noch die richtige Kamera suchen. Dann begann ich von der RED Scarlet zu schwärmen, einer Kamera der nächsten Generation. Problem: Diese Kamera war noch gar nicht auf dem Markt.

Bobby meinte, er würde mal Danny fragen. Danny war der Marketingchef, der ihm auch die Berlinale Tickets besorgen wollte.

Am nächsten Morgen schrieb mir Bobby eine lässige, kurze Skypenachricht:

"Also die Red Scarlet ist auf dem Weg, sollte so in 6-8 Wochen da sein."

oO

Soviel Blut ist mir selten auf einmal in den Kopf geschossen. Vielleicht noch damals, als mir mein Schulfreund die Pizza-Face Actionfigur versprochen hatte.

Ich konnte es kaum fassen, stammelte in Skype vor mich hin... und rief Bobby am Abend an, freudentrunken. Der konnte den ganzen Radau gar nicht verstehen.

"Wir verrechnen das einfach mit deiner Gage später. Wenn die Kamera dein größtes Problem für den Film ist, dann sollst du dir keinen Kopf machen."

Wieso kann die Welt nicht immer so einfach sein?

Achja, welche Gage fragst du jetzt. Das ist die andere Geschichte.

Bobby wollte mich als Regisseur für den Imagefilm haben. Den Imagefilm für sein künftiges Flugzeugunternehmen.

Er schickte mir den Link zu dem letzten Imagefilm. Der sah ganz gut aus. Ich hätte es besser hinbekommen.

Vor allem dann, als Bobby mir das Budget dieses Imagefilms offenbarte:

1,2 Millionen Dollar.

Der Film war ca. 5 Minuten lang, sowas hatte ich noch nie gehört. Mit dem Geld hätte man eine Hollywood Crew engagieren können. Scheinbar, dachte ich mir, hat die Produktionsfirma ein gutes Geschäft gemacht, weil die BESTEN wurden für dieses Geld nicht eingekauft.

Jetzt verstehst du auch, wieso die RED Scarlet mit ihren ca. 3000 Dollar Peanuts für Bobby Wayne waren.

Ich freute mich also auf die RED Scarlet und auf meine Restgage für den Imagefilm, den ich Ende des Jahres drehen sollte. Für ca. eine Million Dollar.

Perfekt!

Und zuletzt gelang unser Treffen doch. Bobby kam nach Köln, um dort eine Zweigfiliale für sein Unternehmen aufzubauen. Direkt über den Büros von Brainpool (Stefan Raab).

Wir trafen uns im Hotel und er trug eine "Brand"-Jacke (Name des Flugzeugunternehmens eingestickt). Ich glaubte, das wäre aus seinem 50.000-Dollar-Merchandise-Fundus. Defacto hätte das genauso gut eine Jacke von damals sein können, ein Geschenk der Firma an ihre Mitarbeiter.

Wir sprachen über meinen Film und davon, wie er gerne mit 10.000 Euro investieren würde. Als zinsloses Darlehen! Very cool. In einem zweiten Schritt wollte er dann mit mir zusammen eine Limited in England gründen, die für die Auswertung zuständig war. Er würde die Gründungskosten tragen und zwei Marketingleute einstellen - und das komplette Entscheidungsrecht über alle Strategien sollte bei mir liegen. Er wolle sich im Hintergrund halten. Hatte ja genug anderes zutun.

Das klang traumhaft, und ich fragte mich: "Habe ich ihn endlich gefunden? Den einen, den perfekten Businesspartner?"

Wir vereinbarten, einen Vertrag aufzusetzen. Der sollte dann in Kroatien unterschrieben werden. Die RED Scarlet war auf ihrem Weg von Los Angeles nach Berlin. Ich würde bald High-Class-Imagefilme drehen. Ich würde Uwe Boll, einen internationalen Filmproduzenten, kennenlernen. Ich hatte das Geld und einen potenten Partner für mein Abenteuer "Film".

Perfekt.

Was ich nicht hatte, waren die Berlinale Tickets. Egal. War nicht scharf drauf.

Und dann kam Kroatien. Lese im nächsten Post, wie sechs Meter Luftlinie zu Uwe Boll am Frühstücksbuffet mein einziger Kontakt wurden, wie wir am Film-Set genauso willkommen wie dahergelaufene Passanten waren, und wie ein tragischer Zwischenfall Bobby Wayne aus Kroatien flüchten ließ, bevor er auch nur zum geringsten Networking ausholen konnte.

...to be continued...


P.S.: Mehr Informationen zu dem besagten Filmprojekt und einen MUST-HAVE Newsletter findest du unter http://www.unnatural-movie.com. In dem Newsletter gehe ich auch nochmal speziell auf Bobby Waynes Verknüpfung ein.

Die Unglaubliche Bobby Wayne Story #3

BOBBY'S LIFE

Bobby Wayne ist ein Mysterium für mich.

Zum einen, weil ich überhaupt nicht in seinen Kopf hereinschauen kann. Welche Motivation hat er gehabt? Wozu sollte er diese ganzen Geschichten erzählen? Welchen Nutzen hat er sich erhofft? Welche Notwendigkeit gesehen?

Zum anderen, weil alle von ihm geschilderten Ereignisse durchaus denkbar bleiben. Die Bobby Wayne Story ist nicht unrealistisch; nur unwahrscheinlich.

Theorien habe ich viele, so ist das nicht. Und mit je mehr Leuten ich rede, umso mehr Theorien kommen dazu. Aber was steckt wirklich dahinter?

Mit ein bisschen persönlichem Einsatz ließe sich das Geheimnis sicher lüften. Du weißt schon, ans Telefon schwingen und ein paar Leuten aushorchen; ins Auto schwingen und ein paar Orte abklappern; in eine Detektei schwingen und einen Schnüffler engagieren.

Aber ich bin ein beschäftigter Mensch, der vor lauter Arbeit nicht mehr weiß, wohin. Alleine diese Story zu schreiben bedeutet schon mehr Aufwand, als ich mir leisten sollte. Außerdem bin ich faul. Sehr faul. Und vielleicht finde ich den Gedanken reizvoll, es nicht zu wissen. Alles was ich sagen kann, ist, dass mich eine ausgedehnte Internet-Recherche nicht schlauer gemacht hat.

Zurück zur Story.

Ich hatte mit Bobby Wayne verabredet, anderthalb Monate später das Uwe Boll Filmset in Kroatien unsicher zu machen. Natürlich hatte dieser Kontakt mein Interesse entfacht. Ich wollte ihn näher kennenlernen und sehen, ob zusätzliche Infos seine mysteriöse Person aufhellen würden.

Und, ganz im Ernst, vielleicht ist es dieses Interesse gewesen, was alle weiteren Theorien überflüssig macht. Vielleicht hat es Bobby Wayne einfach genossen, Beachtung von einem jungem Filmemacher geschenkt zu bekommen (er ist btw. auch ein A Gamer's Day Fan). Und je mehr ich wissen wollte, umso mehr erzählte er halt.

Wir vertieften unsere Korrespondenz und wechselten von Facebook zu Skype (wooohoooo, denkst du dir jetzt - ganz schön krass, von Facebook zu Skype - Daniel was bist du nur für ein Internet-Opfer...)

Und so erfuhr ich im Laufe unseres Kontaktes eine ganze Menge über ihn, was ich als "Bobby's Life" zusammenfasse. Alles, was ich hier schreibe, wurde im Laufe von ca. 6 Wochen in zahllosen Chats und zwei Telefonaten zusammengetragen.

Bobby Wayne wurde in Deutschland geboren, zog mit seinen Eltern aber im Kindesalter nach Amerika. Schon als kleiner Fratz war er ein Abenteurer; bis heute trägt ihm seine Mutter nach, dass er mit etwa 6 Jahren aus dem Fenster ihrer Wohnung des 4. Stocks über die Regenrinne in den Hinterhof rutschte. Sie war so sauer, dass sie ihr Lieblingsküchenwerkzeug - ich glaube, es war ein Kochlöffel - an seinem Hintern kaputt schlug, was auch der Grund für ihren andauernden Ärger ist.

Die Integration in Amerika fiel Bobby Wayne nicht leicht, zumal sich seine Eltern alsbald trennten. Vor seinen Mitschülern galt er als Außenseiter, weil er schon früh das Wall Street Journal und ähnliche Wirtschaftsmagazine las. Aber er stand seinen Mann und besuchte am Schluss eine renommierte Business Universität in Californien. Obwohl er dort auffällig war und Beteiligter vieler Schulstreiche wurde, gehörte er zu den besten seines Jahrgangs. Defacto war er so gut, dass er direkt nach seinem Master von einem Flugzeughersteller Unternehmen abgegriffen wurde, wo er als Foreign Business Consultant arbeitete. Später sollte er dieses Unternehmen aus dem Ruin in eine neue Blüte zurückführen, aber dazu kommen wir noch in allen Details.

Zuvor gab es seine Bundeswehr-Zeit. Richtig gelesen, Bobby Wayne kehrte für seine Wehrpflicht nach Deutschland zurück und absolvierte hier seinen regulären Wehrdienst.

Gelinde gesagt war er als Soldat verhaltensauffällig. Er hatte schon immer ein Problem mit Autoritäten und ließ das in der Bundeswehr hemmungslos heraus. Zweimal wurden Disziplinarverfahren eingeleitet und ich glaube, er wurde degradiert und mit einer Beförderungssperre versehen.

Die beiden interessantesten Bundeswehr-Episoden will ich nicht vorenthalten. Beide erzählte er mir in einem Skype-Telefonat bis in die frühen Morgenstunden.

Einmal hielt er mit zwei Freunden während einer Außenübung Wache. Es war nachts und alle schliefen. Neben dem Kommandozelt stand ein Wolf (Militärjeep) und die Handbremse war nicht angezogen. Also entschieden sich die drei vor lauter Langeweile, im nahegelegenen Wald ein Loch auszuheben. Nach einiger Zeit war es dann groß genug, um den kompletten Wolf (!) hineinschieben zu können. Sie bedeckten ihn wieder mit Erde, verteilten Blätter und am Ende schaute nur noch die Antenne heraus. Am nächsten Morgen war der Aufruhr groß; der Wolf war spurlos verschwunden! Die drei fanden ihren Streich so witzig, dass sie ihn nicht auflösten. Sie waren zwar die Wachen, aber scheinbar nicht für das Kommandozelt zuständig gewesen; also gab es nur einen Klapps auf die Finger. Bobby schlussfolgerte, dass der Jeep wahrscheinlich heute noch in dem Waldstück schlummert.

Ein anderes Mal wurden ein paar Soldaten in der nahegelegenen Dorfkneipe verschlagen. In der selben Nacht ließ der Kompaniefeldwebel alle Soldaten antreten und stellte ein Vergeltungskommando aus loyalen Kameraden zusammen, die im Truppentransporter zur Kneipe fuhren und diese im Gegenzug kurz und klein schlugen. Knackig organisiert wie eine Militäroperation.

Zurück nach Amerika (und Deutschland, und Schweden - ab jetzt ist Bobby Wayne ein Globetrotter).

Die Zeit zwischen seinen ersten Jahren bei dem Flugzeughersteller und heute ist etwas nebulös. Auf alle Fälle konnte er nicht sehr lange dort gearbeitet haben, weil das Unternehmen 2007 bankrott ging. Da war Bobby ca. 24 Jahre alt (das habe ich mir aus seinem heutigen Alter von 27 hergeleitet).

Zwar hat er nicht explizit davon gesprochen - er sagte nur immer, er mache viele Sachen und mir z.B. über Facebook zu erklären, was er genau täte, das würde den Rahmen sprengen - aber durch meine Recherchen auf seinen diversen Internet-Präsenzen (Social Networks etc.) fand ich heraus, dass er Besitzer mindestens zweier Firmen wurde.

Die eine produzierte laut den spärlichen Informationen ihres Profils Reality-TV-Inhalte. Hier tut sich ein interessanter Querverweis zu einer Anekdote auf, die mir Bobby ziemlich früh erzählte. Und gleichzeitig entstehen Ungereimtheiten. Ich erzähle dir in einem Augenblick davon.

Die andere Firma schien ein Immobilienbüro in Hong Kong zu sein, allerdings war ihr Name so generisch, dass eine Google Suche keine weiteren Ergebnisse brachte. Das passt auf merkwürdige Weise ins Bild, weil Bobby Wayne öfters mitten in der Nacht unsere Skype-Chats beendete, um Telefonkonferenzen mit Asien zu schalten. Hm.

Die Anekdote, von der ich eben sprach, nenne ich auch gerne die Taff-Episode. Sie ist neben dem Asia-Walk (Name entschärft) eine der beiden einzigen Anekdoten, die sich faktisch nachweisen lassen. Klingt es zynisch, wenn ich dazuschreibe, dass ausgerechnet diese beiden Anekdoten das allererste waren, was Bobby Wayne von sich preisgab? Wäre ich persönlich ein Hochstapler, ich würde es auf jeden Fall genauso machen. Andererseits sind beide Geschichten wirklich amüsant zu erzählen.

Beschleunigen wir das Tempo, dieser Post endet gar nicht mehr und es gibt noch so viel zu erzählen!

Die Taff-Episode.

Kurz gesagt sprang Bobby für einen Freund in Not ein. Denn, so Bobby wörtlich: "Für meine Freunde reiße ich mir den Arsch auf."

Sein Freund hatte zusammen mit drei Chaoten eine Website aufgezogen, die schlecht lief. Ihr Konzept war aus Amerika kopiert. Muss ja nicht immer klappen. Gleichzeitig hatte sich die gemeinsame GbR hoch verschuldet.

Eines Tages sollte ein einschlägiges Boulevard-Magazin über die Website berichten, und die Chaoten-GbR kam auf die glorreiche Idee, einen Schauspieler zu engagieren, der sich als amerikanischer Fanboy ausgeben sollte! Um den immensen Erfolg zu illustrieren.

Nun wollte dieser Schauspieler aber sein Geld vorher haben und die GbR war pleite. Der Schauspieler ging, das Boulevardmagazin kam.

Also half Bobby Wayne aus und trat in dem Fernsehbeitrag als Fanboy von Übersee auf. Immerhin hatte er seine Jugend in den USA verbracht. Etwas nervös stotterte er sich mit amerikanischem Akzent ein Loblied auf die Website zusammen.

Dieser Beitrag existiert wirklich, man kann ihn auf YouTube bestaunen. Und Bobby wurde nicht müde, zu betonen, wieviel Feedback er dafür bekam.

Die Website ging trotzdem pleite.

Wie passt die Taff-Episode ins Bild? Sie zeigt, dass ein paar von Bobbys Unglaublichkeiten faktisch belegbar sind. Aber Hand aufs Herz: Sooo unwahrscheinlich ist es nun auch nicht, in unserer heutigen Zeit ins Fernsehen zu kommen. Und für die witzige Backstory gibt es auch keinen Beleg.

Bei meiner Recherche fand ich nur heraus, dass Bobby "Hausverbot" bei der GbR hatte. Irgendetwas musste also vorgefallen sein.

Kommen wir damit zur letzten Anekdote und wieder zurück auf die "Timeline" von Bobby's Life.

Asia-Walk.

Als der Flugzeughersteller 2007 bankrott ging, steckte Bobby wohl in einer Sinnkrise.

Im Suff mit einem Freund kam er jedenfalls auf die Idee, ein Laufprojekt zu initiieren. Das sind diese Projekte, wo Menschen ganz ganz weit wandern/laufen/schwimmen/fliegen/hüpfen um entweder der Welt etwas gutes zu tun oder um der Gesellschaft die kalte Schulter zu zeigen. Wie Forrest Gump, nur mit Hintergedanken.

Bobby und sein Freund planten ein Jahr ein, um von Deutschland nach Asien zu marschieren, zu einem großen (Welt-)Event.

Er aktivierte seine Kontakte als Business Consultant und binnen kürzester Zeit waren sie von Sponsoren und guter Presse umgeben!

Das ging so weit, dass sie YouTube Botschaften von Leuten wie Uwe Boll bekamen (da schließt sich der Kreis), um ihnen auf ihrer Reise Mut zu machen. Sogar Til Schweiger soll eine Botschaft formuliert haben, doch die ging niemals online.

Der Grund: Bobby stieg wenige Tage vor dem Start aus.

Mir erzählte er, dass es was mit seinem Kollegen zutun gehabt hatte. Da waren Begriffe wie "politische Einstellung" und "Veruntreuung" im Raum. Mehr wollte er nicht sagen - aber das sagte er mir etwa zwei Stunden lang.

Auf alle Fälle lässt sich auch der Asia-Walk im Internet nachvollziehen; das Projekt hat existiert. Wird die Glaubwürdigkeit dadurch geschmälert, dass es nie startete? Sagen wir mal, es lässt an der Entschlossenheit Bobbys Zweifeln...

Auch die Begegnungen in Bobby Waynes Leben sind bemerkenswert.

Es ist schon spät und der Post bereits sehr lang, daher gehe ich nicht mehr ins Detail. Was ich sagen kann, ist, dass er Schauspielerinnen durch Autounfälle kennenlernte und Marketingchefs durch Hotel-Smalltalks; dass er Grenzsoldaten (er wohnte an der Berliner Mauer) aus seiner Kindheit nach über einem Jahrzehnt auf der Straße traf, wo diese gerade von ihm sprachen. Wenn mir noch eine Begegnung einfällt, editiere ich hier nach.

Bobby Wayne betonte stets selbst, dass seine Lebensbegegnungen von krassen Zufällen lebten. Mit diesem Eingeständnis waren dann alle Zweifel ausgeräumt.

Das ist es in groben Zügen gewesen, Bobby's Life. Ich werde sicher zu einigen Anekdoten zurückkehren. Wenn dich diese langer Post nicht abgeschreckt hat, dann freue dich auf Part #4, wo ich die spannenden Wochen bis zum Flug nach Kroatien erzähle und davon, wie Bobby Wayne einen 150-Millionen-Dollar-Kredit zur Wiederbelebung seiner alten Firma in die Wege leitete.

... to be continued...

Mittwoch, 7. April 2010

Die Unglaubliche Bobby Wayne Story #2

EIN VIELVERSPRECHENDER BEGINN MIT UWE BOLL

Bevor ich die Geschichte erzähle, muss ich eine Sache voranstellen, sonst hältst du mich für einen Idioten. Im Ernst, nachdem du die Geschichte gehört hast, wirst du sagen: "Du bist doch selbst dran Schuld Daniel, wie kann man nur so leichtgläubig sein! Du Idiot."

Man kann durch das Leben gehen und den Dingen prinzipiell misstrauen; man kann in ihnen das Schlechte sehen und sie im Vornherein ablehnen. Das schützt einen sicher vor dem einen oder anderen Tiefschlag, aber es verbaut einem auch viele Möglichkeiten. Diese "Once-In-A-Lifetime-Chance" - du weißt was ich meine? - die zum Beispiel, die wird erheblich schwerer wahrzunehmen ohne ein wenig Mut vor dem Unbekannten. Gleiches gilt auch für das Filmemachen.

Daher räume ich den Dingen grundsätzlich einen Vertrauenskredit ein. Ich sage mir: Solange nicht das Gegenteil bewiesen ist, lohnt es sich Gehör zu schenken. Irgendwann will dieser Kredit dann zurückgezahlt werden. Manchmal bin ich ungeduldig, manchmal gebe ich der Sache länger Zeit.

Bobby Wayne war nun jemand, der seinen Kredit mit mehreren Hypotheken überzogen hat.

ABER:

Ich habe bis heute keinen Beweis, dass die Dinge nicht wirklich so sind, wie sie den Anschein vermitteln wollen. Das heißt ALLES, was ich hier schreibe, kann ebenso gut den Tatsachen entsprechen. Das im Hinterkopf und es fällt leichter, meine Zurückhaltung zu begreifen. Außerdem klangen die Sachen viel zu gut, um nicht wahr sein zu dürfen (verdau den Satz mal!)

Was hat es mit Bobby Wayne also auf sich?

Eines Tages schrieb eine fremde Person in mein Facebook Profil. Sie lobte meine Filme und lud mich ein, nach Kroatien an ein Filmset zu kommen, falls ich "Zeit und Lust hätte". Dort würde nämlich der neue Uwe Boll Film gedreht werden. Diese Person war natürlich Bobby Wayne. Ich wurde neugierig und es entwickelte sich eine Facebook Korrespondenz. Der erste Besuch seines Facebook Profils führte mich zur Annahme, Bobby Wayne arbeite direkt für die Boll AG (Uwe Bolls private Filmindustrie), denn er hatte deren Website angegeben. Nein, nein, erklärte er mir in der Korrespondenz, er sei nur ein guter Bekannter von Boll und helfe ihm seit einiger Zeit, illegale Kopien seiner Filme im Internet aufzustöbern. Ok.

In diesen ersten Mails machte er einen hervorragenden Eindruck; er war sehr bemüht, schnell zu antworten und mit kleinen Nettigkeiten aufzuwarten. Eine davon waren die Berlinale Tickets, auf die ich später noch zu sprechen komme. Aber unser Hauptthema war Kroatien und der Besuch am Boll Set. Bobby Wayne hatte mich also eingeladen, und er versäumte auch nicht, mir mehrmals den unmittelbaren Kontakt mit Boll zu bestätigen.
Also, hab gerade Uwe am Telefon. Das mit dem vorbeikommen ist absolut kein Problem. Er wird sich auch mal die eine oder andere Minute Zeit zum reden nehmen.
Mensch, war ich aufgeregt! Ich will hier jetzt kein Fass über Uwe Boll aufmachen. An ihm scheiden sich die Geister. Fakt ist, dass ich mir als junger Filmemacher auf keinen Fall die Chance entgehen lassen wollte, einen der erfolgreichsten Fimproduzenten Deutschlands zu treffen. Und scheinbar wollte er auch mich kennenlernen! Cool.

Also verabredete ich mit Bobby Wayne und Uwe Boll in Kroatien, sozusagen. Am Set des neuen Films. Cool.

Und es wird noch besser:

Da die Kosten für so einen Trip ins Ausland stramm waren, erklärte sich Bobby Wayne bereit, meine Hotelrechnung zu tragen. Wer macht das schon? Cooool. Ich schlussfolgerte, dass er wirklich sehr interessiert an meiner Person war. Außerdem ließ er durchschimmern, nicht so arm zu sein, als dass er sich so eine Einladung nicht leisten könne!

Aber setzen wir noch einen drauf. Ich holte noch einen guten Freund ins Boot, einen Kameramann, und auch für den wurden die Hotelkosten getragen! Klang nach einem vielversprechenden Wochenende.

Hier könnte die Bobby Wayne Story schon enden. Wir hätten uns zurück in unsere Ecken begeben und den nächsten Kontakt auf Kroatien, einen Monat später, verschieben können. Persönlich ist eh immer besser.

Denkste.

Hier beginnt die Unglaubliche Bobby Wayne Story erst. Wenn du Bobby Wayne näher kennenlernen möchtest und wissen willst, wie ich binnen acht Wochen beinahe zwei Berlinale Tickets, eine TESLA Grafikkarte, eine RED Scarlet Kamera vor ihrem Marktrelease und ein zinsloses 10.000-Euro-Darlehen bekommen hätte und außerdem Regisseur eines 1-Million-Euro-Imagefilms geworden wäre, dann freu dich auf die nächsten Teile der Unglaublichen Bobby Wayne Story.


Die Unglaubliche Bobby Wayne Story #1

PROLOG - ERFAHRUNGEN MIT PIZZA-FACE

Als ich noch zur Grundschule ging, hatte ich mal einen Freund, der unbedingt auf meine Geburtsfeier kommen wollte. Ich hätte ihn auch eingeladen, immerhin mochte ich ihn; aber aus irgendeinem Grund schien er seine Chancen selbst nicht so hoch einzuschätzen.

Drei Wochen vor der Party, die Einladungen waren noch nicht verlesen, eröffnete er mir dann, schon längst ein Geburtstagsgeschenk für mich zu haben. Aber nicht irgendeines. Wir waren alle große Turtles-Action-Figuren-Fans (= die pizza-essenden Ninja-Schildkröten), und er hatte es tatsächlich geschafft, in den Besitz des heißbegehrten "Pizza-Face" zu kommen. Im Grunde war das nur ein hässlicher, mutierter Pizzabäcker mit Hackebeil, aber wir lebten auf dem Land und wussten es nicht besser. Alle waren scharf auf ihn, weil ihn keiner hatte. Und ich sollte ihn bekommen!

Klar wurde der Freund also eingeladen - musste er ja quasi - und die folgenden Wochen verbrachte ich in heißer Vorfreude. Als Kind konnte ich das richtig gut.

Doch es kam, wie es kommen musste.

Zwei Tage vor der Bescherung erzählte er mir von den unglaublichen Geschehnissen, in deren Verlauf Pizza-Face unwiderruflich verloren gegangen war: Sein 5-jähriger Cousin war zu Besuch gewesen. Er ging unbeaufsichtigt in das Zimmer meines Freundes. Er sah die Pizza-Face Verpackung oben auf dem Kleiderschrank liegen. Er kletterte hoch und griff danach. Die Packung fiel auf den Boden. Pizza-Face zersprang in der Packung in seine Einzelteile. Vorbei.

Nun war ich etwa zehn Jahre alt und schon damals skeptisch.

Ein 5-jähriger Junge sollte auf einen zwei Meter hohen Kleiderschrank klettern können? Eine robuste Plastikfigur, geschützt durch ihre Verpackung, sollte durch den Aufschlag in seine Einzelteile zerspringen? Auf einem Teppichboden? Wir stellten damals alle möglich unorthodoxen Sachen mit unseren Action-Figuren an, und das "Zerspringen in Einzelteile" galt als brutale Königsdisziplin, für die man eine harte Betonstraße und einen tötungswilligen Wurfarm brauchte.

"Kein Problem", sagte ich also, "bring mir einfach den kaputten Pizza-Face, besser als nichts. War ja nicht deine Schuld."

Daraufhin entsprang etwa folgender Dialog:

Er: "Nein das geht leider nicht, meine Mami kam sofort rein, sah den kaputten Pizza-Face und schmiss ihn gleich weg."
Ich: "Hm, das ist natürlich kacke. Aber hey! Weißt du was, du kannst ihn einfach wieder aus dem Mülleimer fischen, macht mir gar nix. Immerhin ist das Pizza-Face und er ist ja auch noch verpackt."
Er: "Ja, klar, würd ich auch sofort machen! Aber der Mülleimer wurde schon in die Tonne geleert."
Ich: "Aha, aber, also das war doch gestern sagst du?"
Er: "Ja."
Ich: "Na dann ist die Tonne doch bestimmt noch da! Hey weißt du, also ich versteh ja dass das eklig ist, aber kannst du ihn nicht einfach wieder rausholen? Ich fände das echt spitze!"
Er: "Ich glaub das erlaubt meine Mami nicht."
Ich: "Hä?"
Er: "An die schmutzige Tonne gehen."
Ich: "Na komm, das wird schon nicht so wild sein! Sonst komm ich heute einfach zu Besuch und mach das gerade selbst. Ich habe mich echt gefreut."
Er: "Aber meine Mami wird mich den dir eh nicht schenken lassen."
Ich: "Wieso?"
Er: "Na er ist doch kaputt, das kann man nicht machen! Wird sie sagen."
Ich: "Aber schau mal. Bevor man ihn einfach wegschmeißt, ist es doch besser, ihn mir zu geben. Das versteht deine Mami bestimmt. Oder?"
Er: "Ja... schon..."
Ich: "Ok super, soll ich dann vorbei kommen?"
Er: "Ne ich mach das dann... aber kann echt sein, dass die Müllabfuhr schon da war..."
Ich: "Hm. Ich glaube aber die Chancen stehen gut."
Er: "Ja stimmt. Also ich schau mal einfach."

Nächster Tag.

Ich: "Und?"
Er: "Ne Müllabfuhr war schon da."

-_-

An diesem Tag in der Grundschule hab ich viel über das Mensch-Sein gelernt. Aber ich legte die Erfahrung ad acta und verbuchte sie unter /Grundschul-Niveau. Der Junge, der dir etwas Unglaubliches erzählt - ohne es je zu beweisen. Ein anderer Bekannter von mir pflegte immer zu sagen, wenn ich ihm nicht glauben wollte: "Mir doch egal ob du es glaubst. Ich weiß, dass es wahr ist, das reicht mir." Dinge von diesem Kaliber, ihr wisst Bescheid. Grundschul-Niveau. Ich wurde älter und habe so etwas nicht mehr erlebt. Wieso auch. Die Grundschüler blieben ja auf ihrem Pausenhof.

Ja.

Dann lernte ich mit 25 Jahren Bobby Wayne kennen. Und ich realisierte, dass Pizza-Face nur die kleinstmögliche Einheit in einem Universum aus Unglaublichkeiten gewesen war.

... to be continued...